Citroen C5
Fast grenzenloses Fahrvergnüngen
Aschenputtel ist Ballkönigin! Was die Ingenieure und Designer des französischen Autobauers Citroen aus ihrer Mittelklasselimousine C5 gemacht haben, ist aller Ehren wert.
Das 2004 als Nachfolger für den kantigen und (vor allem im fortgeschrittenen Alter) technisch höchst anfälligen XM aufs Parkett geschickte, an Biederkeit kaum zu toppende Moppelchen hat sich zu einer eleganten Erscheinung gemausert, dessen jüngste Generation, wie es im Fachjargon so schön heißt, seit Anfang vergangenen Jahres auf deutschen Straßen rollt. Ein echtes Designerstück, das die Konkurrenz bisweilen ganz schön alt aussehen lässt. Mut zum eigenständigen Design paart sich mit technischer Raffinesse und Perfektion, die sich hinter denen der nach wie vor die Maßstäbe setzenden Konkurrenz aus Bayern und Schwaben nicht verstecken muss. Im Gegenteil: Bisweilen kann sie diese sogar abhängen. Aber dazu später.
Worauf gründet sich, fragen Sie, diese Lobhudelei? Auf 14 Tage Testfahrt in Norddeutschland in Stadt und Land sowie auf Autobahnen mit der C5-Topversion: ein V6 HDi 240 Biturbo mit Sechsgangautomatik, 240 PS und sogenannter Hydraktiv-Federung. Diese hydropneumatische, variable Fahrwerksabstimmung verleiht dem C5 einen unvergleichlichen Fahrkomfort und lässt einen förmlich über die Straßen schweben. Nur Fliegen ist schöner. Wohlgemerkt: Selbst bei Höchstgeschwindigkeit hat man stets genügend Kontakt zu Straße! Im Innenraum - mit viel Leder, Alu-Applikationen, reichlich, aber übersichtlich bestückter Mittelkonsole und großem (Navi-)Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts - geht's üppig zu. Auch was den Platz und damit den Sitzkomfort (vorn und hinten) von Menschen über 1,85 Metern Größe angeht. Besonders gefielen die im oberen Teil der Rückenlehne separat neigungsverstell- baren Vordersitze, wobei der auf der Fahrerseite eine regelbare Lendenwirbelmassage verfügbar ist. Was mir weniger gefiel, aber möglicherweise nur Gewöhnung ist: das Multifunktionslenkrad mit feststehender Nabe und die ringförmigen Zeiger der Rundinstrumente, die nicht über die Mitte des Ziffernblatts wandern, sondern sich um den äußeren Rand drehen. Firlefanz, wenn Sie mich fragen!
Bleibt als Letztes die Motorisierung: Knapp acht Sekunden auf 100 und Schluss mit Vorschub erst bei 240 sind mehr als genug. Und manchmal sogar zu viel. Denn was in einem C5 stecken kann, hat sich auf deutschen Autobahnen noch nicht herumgesprochen: Eher wird einem ollen ölenden Fünfer-BMW bereitwillig Platz gemacht, dem bei 195 km/h die Puste ausgeht, als einem Citroen. Was dazu führt, dass man öfter auf die Bremse muss als nötig wäre. Da nützt es auch nichts, dass der Top-C5 mit zwei trendigen, dem Hintermann Potenz verheißenden Doppelauspuffrohren daherkommt. Bliebe noch die Möglichkeit, rückwärts zu fahren. Aber wer traut sich das schon - links, bei Vollgas? Außer Vin Diesel, vielleicht!
Und was kostet nun ein solches fast grenzenloses (Autofahr-)Vergnügen? Für die von uns getestete Topversion wären nahezu exakt 47 000 Euro fällig - inklusive 2100 Euro fürs Navi und fast 5000 Euro für das Luxuspaket mit Vollleder und Spitzensoundsystem.
"Da hört der Spaß aber auf", meinte meine autokritische Frau und hattefix den günstigsten neuen C5 zum Einstiegspreis von gut 22 000 Euro im Katalog ausgemacht. Ob der Spaß macht, wage ich zu bezweifeln. Mein Tipp wäre: gegebenenfalls angesichts des vergleichsweise hohen Wertverlusts für Citroens auf einen günstigen Jahreswagen oder einen jungen gebrauchten Top-C5 warten!
