Lada Niva
Der Zweckerfüller
"Der wird noch gebaut?" Die Frage des Bekannten, der meine beiden Töchter und mich vor dem Kindergarten aus dem ungewöhnlichen Automobil steigen sah, war berechtigt. Doch ich konnte ihn schnell aufklären: Ja, der Lada Niva wird noch immer produziert - und auch noch immer verkauft.
Als Journalist ist man in der privilegierten Situation, diverse Automobile ausprobieren zu dürfen. Nicht selten erhascht man sogar neidische Blicke der Nachbarn, wenn ein chromblitzendes oder hochbeiniges Gefährt vor der Garage steht. Beim Lada Niva war das anders.
Doch mitleidiges Staunen haben weder der Wagen aus Russland noch dessen Fahrer verdient. Denn der Niva ist keine automobile Primadonna, die sich ihre Meriten durch optischen oder technischen Schnickschnack zu verdienen versuchen. Der Wagen erfüllt schlicht und einfach seinen Zweck.
Sicher ist die Ausstattung spartanisch (der Komfort im Fahrzeug-Inneren entspricht jenem, der wohl in sibirischen Arbeitslagern vorherrschte, und eine meiner Töchter stieß sich den Kopf am metallenen Trenngitter zum Kofferraum), sicher hört sich der Wagen beim Beschleunigen auf der Autobahn spätestens bei Tempo 90 an wie eine Sojus-Rakete in der zweiten Zündstufe. Und sicher ist eine Kommunikation während der Fahrt nur sehr schwer möglich. Auch wenn bei 137 Stundenkilometern das Ende der Fahnenstange in Sachen Geschwindigkeit erreicht ist.
Aber ebenso sicher ist eines: Wer sich bewusst für einen Lada Niva entscheidet, will nicht mit der Familie auf der Autobahn nach Spanien düsen, dabei italienische Opern hören und nach einigen tausend Kilometern Asphaltstrecke entspannt aus dem Fahrzeug steigen. Der Niva ist und bleibt ein Arbeitstier. Vor allem der Allrad-Antrieb und der kurze Radstand machen den "Auto-Russen" zu einem idealen Begleiter für Landwirte, Weinbauern, Jäger oder Förster.
Diese Berufsgruppen machen mit dem Niva nichts verkehrt. Und an sie richten sich auch die sechsjährige Lada-Garantie gegen Durchrostung und wesentliche Bestandteile der Zusatzausstattungsliste, die auf zwei DIN-A5-Blätter passt: So kostet die große Wildwanne lediglich 280 Euro extra. Und für den gleichen Preis gibt es auch den Gewehrhalter, der in keinem Haushalt fehlen darf. . .
