Audi R8
Rennsport mit Straßenzulassung
Sie fahren jeden Tag allein zur Arbeit - und das ohne Beifahrer(in)? Sie haben wenige Freunde, die mit Ihnen mal einen "Ausritt" unternehmen wollen? Das muss nicht sein - jedenfalls dann nicht, wenn Sie genügend Geld auf dem Bankkonto und viel Benzin im Blut haben. Denn die Lösung hat einen Namen: Audi R8.
Harburg. Die HAN-Motorredaktion jedenfalls konnte sich während der Testphase vor neuen Freunden kaum retten. Porsche - das war nämlich gestern. Wer heute echtes Rennwagen-Flair und auch noch das optisch wohl gelungenste Stück deutscher Ingenieurskunst auf die Straße bringen will, kommt an dem Prunkbau aus Ingolstadt nicht vorbei, von dem nur 15 Stück pro Tag in Handarbeit vom Band rollen.
Breit, flach und stark ist der von einem Mittelmotor angetriebene Audi R8 - die beiden perfekten Sportsitze sitzen weit vorn. Kurze Überhänge kennzeichnen die Vollaluminium-Karosserie, die flache, wuchtige Front, die Scheinwerfer über den großen Lufteinlässen sind erstmals komplett in LED ("Licht emittierenden Dioden")-Technik erhältlich. Großflächige Rückleuchten; vier Auspuff-Endrohre, fette Diffusor-Öffnungen hinten und die Carbon-Schulter seitlich machen den R8 unverwechselbar; dazu ein automatisch ausfahrender Heckspoiler und die transparente Motorhaube, die den Blick auf den Antrieb freigibt. Dieses Auto ist Emotion pur.
Und das natürlich nicht nur von außen: Wer die 430 Pferde des 4,2 Liter großen V8-Direkteinspritzers (FSI) per Startknopf zum Laufen gebracht hat, beeindruckt nicht nur aufschreckende Passanten. Doch schon nach wenigen Minuten in unserem Sechs-Gang-Schalter (Automatik gegen Aufpreis) wird klar: Dieser Supersportler lässt sich kommod bewegen - aber wer will das? Der mächtige Vorwärtsdrang des Motors (der gern schon mal bei härterem Dienst einen Extra-Schuss Öl verlangt), das ausgewogene und eben nicht nur radikale Fahrwerk und die standfesten Bremsen machen gerade die Landstraßenfahrt zum Erlebnis mit der Ausschüttung von Glückshormonen beim Fahrer.
Allerdings: Wer bei Tempo 265 den Notanker werfen muss, darf sich trotz diverser serienmäßig elektronischer Helfer nicht über ein unruhiges Heck wundern. Bei einer Lastenverteilung von 44 (vorn) zu 56 Prozent (hinten) aber auch kein Wunder . . .
Obgleich: Der standardmäßige Allradantrieb quattro schickt mittels Visco-Kupplung die Kraft auf 18-Zoll-Serienräder. Für die nötige Haftung sorgen im Normalfall vorn 235er-, hinten sogar bis zu 295er-Reifen - je nach Wunschoption, der natürlich kaum Grenzen (von der Pedalerie in Alu-Optik für 260 Euro über Schalensitze für 3600 Euro bis zur Keramik-Bremse für 7500 Euro) gesetzt sind.
An dieser finalen Stelle wollen wir jetzt nicht wirklich über Kofferraumvolumen, Umwelt-Effizienz und andere "normale" Faktoren reden. Auto ist und bleibt eben auch Bauchgefühl. Und da sollte sich Porsche warm anziehen. Denn der R8 - auch mit 525 PS, als Spyder mit tollem Verdeck und V10 erhältlich - ist ein Auto, dass "neue Freude" sicherlich lieben werden. Bleibt nur die Frage, wer sich solche "Freunde" leisten kann und ob sie es wirklich wert sind . . .
