Prognosen

Große Worte, nichts dahinter

Mit Prognosen ist das so eine Sache: Treffen Sie zu, wundert sich niemand. Liegt man aber mit seiner Voraussage daneben, sind einem Hohn und Spott gewiss.

Jürgen Brater, ein absoluter Fachmann für das Sammeln kurioser Fakten, hat sich dieses Themas angenommen. Herausgekommen ist dabei "Keine Ahnung, aber davon viel". In dem herrlichen, im Ullstein-Verlag erschienenen Taschenbuch hat der promovierte Biologe und Zahnarzt die "peinlichsten Prognosen der Welt" zusammengetragen.

Das Zitat "Kino ist nur eine Modeerscheinung, ein Drama in Dosen. Was die Leute wirklich sehen wollen, ist Fleisch und Blut auf der Bühne" von Charlie Chaplin ist nur ein Beispiel. Vor allem wenn es um Technik geht, ging so manche Erwartung komplett in die Hose.

Wie zum Beispiel bei Alex Lewyt aus dem Jahr 1955. Damals sprach der Chef der gleichnamigen US-amerikanischen Staubsaugerfirma große Worte: "Nuklear-getriebene Staubsauger werden innerhalb der nächsten zehn Jahre wahrscheinlich Realität sein." Nun ja. Die Vorstellung eines Staubsauger-Endlagers wäre ja auch zu bedrückend gewesen.

Zuweilen haben die Vorhersagen auch katastrophale Folgen für die Menschen. So sagte der vormalige britische Premierminister David Lloyd George 1934 voraus: "Glauben Sie mir, Deutschland ist unfähig, einen Krieg zu führen." Hitler und seine Nazi-Schergen bewiesen ihm das grausame Gegenteil. Zum Glück für die Demokratie, jedoch zum Leidwesen der deutschen Zivilbevölkerung, waren aber auch die Nationalsozialisten keine Hellseher: "Wenn auch nur ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will ich Meier heißen", sagte Hermann Göring, im Dritten Reich Chef der deutschen Luftwaffe . . .

Das Zitat von Joseph Kennedy ("Ich habe keine politischen Ambitionen für mich und meine Kinder"/1929) ist schon eher als allgemeines Politiker-Gerede abzutun.

Wenn es einen kleinen Kritikpunkt an "Keine Ahnung, aber davon viel" gibt, dann jenen, dass es kein Register gibt. Eine Auflistung der verschmähten Personen und Produkte sowie die Urheber der Prognosen wäre schön gewesen.

Kabarettist Dieter Nuhr hat es vor einiger Zeit einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten." So mancher "Experte" wäre gut beraten gewesen, wenn er sich daran gehalten hätte. Aber andererseits: Hätten sie das getan, hätten wir jetzt deutlich weniger Spaß. Also bitte, liebe Fachleute: Macht weiter mit den Prognosen.

  • Jürgen Brater: Keine Ahnung, aber davon viel. Die peinlichsten Prognosen der Welt. Ullstein-Verlag. 8,99 Euro.