Buchtipps
Zeugnisse gegen das Vergessen
Auch 66 Jahre nach dem Untergang des Dritten Reiches hat die Nazi-Herrschaft über Deutschland nichts von ihrem Schrecken verloren. Zwei neue Bücher helfen jetzt dabei, die Erinnerung an die zwölf finstersten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten.
Schon fast ironisch mutet dabei an, das eines der Bücher sich mit eine Fest beschäftigt, das wir heutzutage als eines der fröhlichsten überhaupt empfinden: den Olympischen Spielen. "Hitlers Spiele. Olympia 1936 in Berlin" hat Armin Fuhrer sein im Bebra-Verlag erschienenes Buch genannt.
Schon für 1916 hatte das Internationale Olympische Comité (IOC) die Sommerspiele nach Berlin vergeben. Der erste Weltkrieg verhinderte jedoch die Austragung. Den Nazis kam drei Jahre nach der Machtergreifung die Gelegenheit gerade recht, sich der Welt in einem scheinbar demokratischen Antlitz zu präsentieren.
Der studierte Historiker Armin Fuhrer beleuchtet die Protagonisten der gigantischen Anstrengung. Er schreibt über die Teilnehmer der Spiele und die - vergeblichen - Versuche, einen Boykott zu organisieren. Und er beschreibt, wie sich die Macher der Spiele die Wirklichkeit zurecht bogen. So war der erste Aktive des Staffellaufs von Olympia nach Berlin gar kein Grieche, sondern ein Sohn russischer Einwanderer. Anatol, so der Name des Mannes", war von Regisseurin Leni Riefenstahl ausgewählt worden, weil er ihrer Vorstellung eines antiken Recken am ehesten entsprach.
Beeindruckend sind zudem die 120 weitgehend unbekannten Fotos und Abbildungen, mit denen Armin Fuhrer sein Buch illustriert hat.
Um Bilder, oder vielmehr die Macht der Bilder, geht es in "Das Gesicht der Diktatur" aus dem Pendo-Verlag, für das Rolf Georg Reuth als Herausgeber verantwortlich zeichnet.
Das besondere an den Aufnahmen ist das sogenannte Stereoskopie-Verfahren, das für einen dreidimensionalen Effekt der Fotos sorgt. Dabei werden zwei um den Augenabstand verschobene Teile angefertigt. Mittels eines speziellen Betrachtungsapparates, bei dem das linke Auge nur den linken, das rechte den rechten wahrnimmt, entsteht der räumliche Effekt. Heute reicht dazu die dem Buch beiliegende 3D-Brille.
Ab 1936 nutzen Heinrich Hoffmann, Leibfotograf von Adolf Hitler, und der Raumbild-Verleger Otto Wilhelm Schönstein diese Technik zu Propaganda-Zwecken für die Nationalsozialisten. Die gezeigten Bilder sind eindrucksvolle Zeugnisse gegen das Vergessen.
- Armin Fuhrer: Hitlers Spiele. Olympia 1936 in Berlin. Bebra-Verlag. 24,95 Euro.
- Ralf Georg Reuth (Hg.): Das Gesicht der Diktatur. Das Dritte Reich in 3D-Fotos. Pendo-Verlag. 14,99 Euro.
