Buchtipp

Spannende Geschichts-Literatur

Die Anatomie einer Schlacht als spannendes Sachbuch. Dass dieser literarische Ansatz nicht zum Scheitern verurteilt ist, zeigt Tom Buk-Swienty in "Schlachtbank Düppel" eindrucksvoll.

1870/71 und Düppeler Schanzen: Jeder halbwegs geschichtsinteressierte Mensch bringt diese Begriffe mit der Gründung des Deutschen Reiches in Zusammenhang. Die Jahreszahl des Deutsch-Französischen Krieges, der mit der Reichsgründung im Schloss von Versailles endete, noch besser als jenen Ort, der 1864 Schauplatz der Entscheidungsschlacht im Krieg zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark war.

Gerade im Bezug auf Düppel endet dann aber meist das Wissen. Was genau in der Nähe des heute so beschaulichen nordschleswigschen Städtchens Sonderburg passierte, welches Grauen dort für die beteiligten Soldaten herrschte, ist weitestgehend unbekannt.

Tom Buk-Swienty liefert keine analytische Draufsicht auf das Geschehen an den Schanzen, der an der Flensburger Förde gelegenen Festungsanlage, sondern die Innenansichten der Beteiligten. Er beschreibt die fünfwöchige Belagerungsphase, die mit dem Sturm am 18. April 1864 endete.

In der komplizierten Auseinandersetzung um das Herzogtum Schleswig hatten sich die Skandinavier vom Danewerk nach Düppel zurückgezogen. Die dänische Krone versuchte Zeit zu gewinnen, um bei einer internationalen Konferenz einen für Dänemark günstigen Verständigungsfrieden zu erreichen. Doch der von Preußen geführte Deutsche Bund drängte auf eine Entscheidung.

Mit höchstem Aufwand wurden ein Netz von Gräben ausgehoben, bis diese schließlich auf etwa 400 Meter an die insgesamt zehn Schanzen heranreichten - von dort aus stürmten die Preußen die nach mehrstündigem Trommelfeuer teilweise beschädigten Befestigungsanlagen. Nach kurzem, aber sehr heftigem Nahkampf wurden die dänischen Besatzungen überwältigt.

Die Leser von "Schlachtbank Düppel", ein Begriff, der im Übrigen von der dänischen Seite geprägt wurde, erfahren von Einzelschicksalen an der Auseinandersetzung beteiligter Soldaten, Kriegsberichterstatter, Beobachter des Internationalen Roten Kreuzes. Und auch von den Erfahrungen der Kriegschirurgen. Die nämlich sahen sich gänzlich veränderten Anforderungen gegenüber, da der Deutsch-Dänische Krieg - vor allem von deutscher Seite - mit modernstem Gerät geführt wurde, die fürchterliche Wunden zur Folge hatten. "Schlachtbank Düppel" ist ein Musterbeispiel für spannende Geschichts-Literatur.

  • Tom Buk-Swienty: Schlachtbank Düppel. Osburg-Verlag. 24,90 Euro.
Infobox

Der Konflikt

Der Deutsch-Dänische Krieg (auch Zweiter Schleswigscher Krieg oder Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg in Abgrenzung zum Krieg 1848-1851) war die militärische Auseinandersetzung um Schleswig-Holstein und vor allem um das Herzogtum Schleswig zwischen dem Deutschen Bund und dem Königreich Dänemark vom 1. Februar bis 30. Oktober 1864. Die Erstürmung der Düppeler Schanzen in der Nähe des nordschleswigschen Sonderburg nach einer fünf Wochen währenden Belagerung am 18. April 1864 war die entscheidende Schlacht der Auseinandersetzung.