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Freitag, 12. März 2010

Grausiger Fund am Neuländer Deich

Schleusenwart entdeckt bei Ebbe menschlichen Schädel

20.12.2008
Michelle Kossel
Neuland. Waldemar Schönwald (86), seit 1946 Schleusenwart für die Deichschleuse am Fünfhausener Hauptdeich in Neuland, hat am Dienstag einen grausigen Fund gemacht: "Es war Ebbe, ich stand am Deich. Ein junges Mädchen rief mir zu, dass da etwas Merkwürdiges auf den Steinen liegen würde", berichtet er den HAN. Es war ein Totenschädel, der Unterkiefer fehlte. "Ich habe schon Menschen aus der Elbe gerettet und weiß, dass die Strömung sehr gefährlich werden kann. Die Leichen der Ertrunkenen werden nicht mehr gefunden. Das Wasser zieht sie nach unten, die Strömung bringt sie sonst wohin."
Zeugen, die ebenfalls vor Ort waren, informierten die Polizei. Als die Beamten der Wasserschutzpolizei eintrafen, war Flut. "Daher mussten auch Taucher anrücken. Die bargen dann am Nachmittag den Schädel." Die Polizei ermittelt nun, wem das Leichenteil zuzuordnen ist. "Der Knochenfund befindet sich im Institut für Rechtsmedizin und wird begutachtet", sagt Holger Vehren, Pressesprecher der Polizei.
Schönwald und seine Ehefrau Magdalene (82) sind schockiert. Bereits seit 1892 achtet ihre Familie auf die Schleuse. Der 86-Jährige Waldemar Hartmann bewältigt trotz seines hohen Alters Tag für Tag drei Mal 64 steile Stufen, die zur Anlage führen. "Es ist ein Amt aus Tradition. Nun sind wir schon die dritte Generation, die diese Aufgabe wahrnimmt. Glücklicherweise mussten wir nie Ertrunkene aus der Schleuse ziehen", berichtet Magdalene Schönwald. Nur Treibholz und Plastikplanen seien angetrieben worden. "Die müssen wir bergen, weil sonst die Schleusentore nicht mehr funktionieren."
Das Ehepaar kennt den Strom genau. "Ich bin hier aufgewachsen. Es hat sich viel verändert. Es ist nicht mehr der gleiche Fluß, wie in meiner Kindheit", sagt Magdalene Schönwald. Seitdem die Elbe ausgebaggert wurde, werde es mit der Strömung "immer schlimmer. Da kann man noch so gut schwimmen können, gegen den nach unten führenden Sog kommt keiner mehr an", so Schönwald. Schwächliche Personen hätten schon gar keine Chance.
Wer die Person sein könnte, deren Knochen man nun an ihrer Schleuse geborgen hat, darüber können sie nur spekulieren. "Vor einigen Jahren ist ein kleines Kind, das keine Schwimmweste trug, von einem niederländischen Frachter ins Wasser gefallen. Die Leiche wurde von der Polizei nicht gefunden. Wer weiß, wann und wo die Überreste wieder angespült werden." Und von einem weiteren tragischen Fall berichtet das Ehepaar. So seien vor einigen Jahren zwei junge Männer mit einem Segelboot in Not geraten. Den Älteren habe man retten können: "Den jüngeren Mann hat sich das Wasser geholt."
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