Kletterspaß
Adrenalinschübe am Kiekeberg: Alles andere als alltäglich
"Klack" machen die Karabinerhaken. Jetzt bin ich gesichert. Mir kann hier in luftiger Höhe im Hochseilgarten Kiekeberg nichts passieren. Weiß mein Kopf. Mein Herz will diese Tatsache aber noch nicht akzeptieren und klopft vorm Betreten der ersten Station im Ehestorfer Wald heftig. Los geht’s, mein Kletterabenteuer!
Ehestorf. Michael Kreidenberg hatte die Idee, hinter dem Gasthaus Kiekeberg einen Hochseilgarten anzulegen. Der Mann, der in Travemünde vor fünf Jahren bereits schon einmal einen eigenen Hochseilgarten eingeweiht hat, ist froh, dass die Sache im Wald neben dem Kiekeberg-Museum nun in Schwung kommt.
Monatelang hat er lediglich mit der Unterstützung einiger Freunde an dem Projekt gearbeitet und gefeilt und insgesamt eine "hohe fünfstellige Summe investiert", wie er sagt. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Hinweis-Schilder, die zu seinem Kletterparadies führen, doch auch ohne diese Wegweiser finden bereits viele Abenteuerlustige zu ihm: Kinder, für die es einen eigenen, aber nicht weniger spannenden Parcours in Bodennähe gibt, Jugendliche, schüchtern oder wagemutig, echte Kletterfreaks, die immer wieder kommen - und sogar Frauen mittleren Alters, wie die Autorin dieser Zeilen. Alle haben ihren Spaß, sind am Ende stolz und glücklich, wenn sie ihre Ängste überwunden und die fantasievoll gestalteten, unterschiedlich schwierigen Stationen gemeistert haben.
Zu draufgängerisch sollte man allerdings beim Durchklettern der bis zu 14 Meter hohen Stationen nicht sein. "Das wichtigste auch für erfahrenen Kletterer ist, nie den Respekt vor der Anforderung zu verlieren. Mal nur mit einem Karabiner sichern, das geht gar nicht. So passieren dann Unfälle", sagt Kreidenberg, der in seinem Hochseilgarten das Thema Sicherheit ganz hoch hängt, wie der gelernte Versicherungskaufmann sagt: "Die Tüv-Prüfung allein fand ich nicht ausreichend. Wir sind auch über die ERCA zertifiziert." Die Leute bei der European Rope Course Association (Verein zur Förderung von Hochseilgärten) seien echte Spezialisten und würden mögliche Schwächen oder Sicherheitsmängel sofort erkennen.
Vor dem Erklimmen des Hochseilgartens wird jeder Teilnehmer mit Gurten aufwendig gesichert und erhält eine umfangreiche Einweisung. "Ohne die geht hier keiner nach oben", sagt Katharina Richter. Die erfahrene Kletterin ist eine von Kreidenbergs Mitarbeitern. "Meistens müssen wir nicht eingreifen, aber sollte es doch mal sein, kann ich jederzeit jeden Gast des Hochseilgartens wieder sicher auf den Boden bringen", sagt sie. Und angesichts ihrer trainierten Unterarme glaubt man das der drahtigen Frau gern. Während die meisten Teilnehmer bei der Station "Kletterwand" die kompletten Kletterhilfen umfassen, um sich zur nächsten Plattform vorzuhangeln, greift Katharina - beim Klettern duzt man sich -nur mit den Fingerkuppen in die Minirillen auf den Holzquadraten. Für die Freeclimberin ist meine Herausforderung nämlich keine Herausforderung . . .
Der Hochseilgarten im Internet: www.hochseilgarten-kiekeberg.de
