Sex-Täter

Jeder hat das Recht auf Resozialisierung

Die Gefährlichkeit von Schwerverbrechern, die aus der Sicherungsverwahrung freikommen, wird nach Ansicht des Kriminalpsychologen Professor Rudolf Egg möglicherweise überschätzt. "Denn es handelt sich ja nicht um junge, kräftige Männer, sondern zum Teil um doch schon sehr betagte und jedenfalls jahrelang im Gefängnis lebende Personen", sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden gestern.

Hamburg/Wilstorf. Außerdem entschieden Gutachter bei der Prognose der Gefährlichkeit von Straftätern im Zweifel eher zugunsten der Sicherheit, betonte Egg. Im Gegensatz zur Schuldfrage vor Gericht: Dort wird im Zweifel eher für den Angeklagten entschieden. "Es kann durchaus sein, dass etliche der Personen, die jetzt freikommen, gar nichts mehr machen werden."

Es sei eine "sehr schwierige Gruppe von Personen", die von dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs betroffen ist, sagte der Kriminalpsychologe: "Es gibt kein Allheilmittel, was man mit diesen Menschen machen kann." Im Vergleich zur Sicherungsverwahrung gebe es keine Alternative, die die gleiche Sicherheit gewährleistet: "Alles andere ist immer zweite Wahl." Die Justiz gebe zwar nie preis, wo ein Straftäter nach seiner Freilassung unterkommt. Dass Medien und Öffentlichkeit in solchen Fällen viel Druck machten, sei "nicht so ganz zu vermeiden. Das ist sehr bedauerlich." Schließlich habe jeder das Recht auf Resozialisierung, "also die Möglichkeit, sich wieder in die Gesellschaft einzufügen".