Sex-Täter

"Den hätten wir sonst kaltgemacht!"

Die Stimmung ist angespannt. Als sich die Tür des Mehrfamilienhauses öffnet und Hans-Peter W. auftaucht, kocht sie über: "Wäre die Polizei nicht hier, dann hätten wir den kaltgemacht!", sagt einer der Anwohner hinterher.
Anzengruberstraße, Sex-Gangster, Protest, Vergewaltigung

Der Blick von der Anzengruberstraße in Harburg hinunter auf die Nöldeckestraße. In einem der Häuser bezog Hans-Peter.W. am Mittwoch seine Wohnung.

Wilstorf. Schnell hatte sich gestern Vormittag in der Anzengruberstraße herumgesprochen, dass in einem der Häuser ein neuer Nachbar eingezogen ist, der es in den vergangenen Tage zu trauriger Berühmtheit gebracht hat: der brutale Vergewaltiger Hans-Peter W. Vor zwei Wochen war er wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (siehe Kasten) aus der Haft in Freiburg entlassen worden. Seine Odyssee begann in Bad Pyrmont: Medienberichten zufolge soll W. diesen Kurort zufällig gewählt haben. Irgendwann während seiner fast 30-jährigen Haft sei der Name aufgetaucht und bei ihm hängengeblieben. Aber der Druck aus der Bevölkerung - nervös geworden unter anderem durch Heerscharen an Fotografen - wurde stärker, und er habe den Wunsch geäußert "in die anonyme Großstadt" ("Hamburger Abendblatt") zu ziehen. Nachdem die "Bild"-Zeitung ein Foto seines neuen Hamburg-Domizils veröffentlicht hatte, musste ein weiteres Mal ein neuer Wohnort gefunden werden. Wie die Wahl auf die Anzengruberstraße fiel, wollten weder die Hamburger Justizbehörde noch das für Bewährungsfragen zuständige Bezirksamt Eimsbüttel sagen.

"Die tickende Zeitbombe in der Anzengruberstraße. Wer schützt uns?", "Bitte leise! Sadistischer Serienvergewaltiger braucht Ruhe!" "Vergewaltiger sollten keine Menschenrechte haben!" Mit diesen Schildern warteten Anwohner gestern Morgen auf den verhassten Neu-Wilstorfer. "Hier wohnen viele junge Familien mit Kindern. Wie kann man nur so ein Schwein hier reinstecken?", lautete noch eine der milderen Kommentare eines Anwohners. Ein Geschäftsinhaber in der Nähe sieht keine andere Alternative, als den verurteilten Vergewaltiger hinter verschlossenen Türen oder zumindest Toren unterzubringen: "Dieser Mann hat doch sein Leben verwirkt. Diese Leute gehören in eine geschlossene Anstalt." Das sei allemal billiger, als ihn jetzt "rund um die Uhr mit wasweißich wie viel Polizei zu überwachen". Egal, wohin er kommt: "Die geben dem Mann im Moment Rechte, die er in meinen Augen nicht mehr hat."

Ob Hans-Peter W. nach seiner Flucht aus Wilstorf gestern Mittag in eine neue Unterkunft gebracht wurde, wollte die Justizbehörde weder bestätigen noch dementieren. Vieles deutet aber darauf hin, dass er nicht mehr lange in Wilstorf wohnen wird.