Behörden-Hotline 115
115: Bei Anruf Bürgernähe?
Noch ist das Projekt eine Baustelle, das in den hamburgnahen Gemeinden im Landkreis meist zu Frust und Irritationen führt: Wenn Bürger aus Neu Wulmstorf oder Seevetal, die zum Hamburger Telefonnetz gehören, unter der Behörden-Hotline 115 anrufen, bekommen sie zwar einen Gesprächspartner ans Rohr, von dem aber leider keine Auskünfte über Neu Wulmstorf oder Meckelfeld. Und wer sonst im Landkreis die 115 wählt, bekommt vom Band zu hören, dass für ihn dieser Service noch nicht zur Verfügung steht.
Buchholz/Winsen. Das könnte sich schon im nächsten Jahr ändern: Nachdem das Pilotprojekt in Hamburg bereits seit 2009 erfolgreich läuft, bereitet sich jetzt auch der Landkreis Harburg darauf vor, in das bundesweite Projekt D 115 einzusteigen. Ziehen die Städte und Gemeinden mit, könnte die bundeseinheitliche Behörden-Servicenummer bereits Mitte 2011 auch im Landkreis Harburg starten, sagt Thorsten Heinze, Fachbereichsleiter Service beim Landkreis in Winsen.
Zwar ist das Projekt D 115 in den Kommunen nicht unumstritten, der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund etwa zieht schwer zu Felde gegen das vor Jahren von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach New Yorker Vorbild angestoßene Projekt, das aus Sicht des Gemeindebunds in der Fläche völlig sinnlos und überflüssig ist.
Heinze glaubt dennoch, dass die 115-Hotline auch im Landkreis kommen wird. "Die Nähe zu Hamburg zwingt uns dazu, uns über kurz oder lang anzuschließen", glaubt Heinze. Die Bürger in der südlichen Metropolregion, die mit Hamburg beruflich eng verwoben seien, erwarteten das, auch der Landkreis Lüneburg sei bereits zugange mit der 115.
Ein Knackpunkt sind noch die Kosten. Der Bund unterstützt zwar die Projektarbeit, die Kosten - in erster Linie sind das Personalkosten - müssen aber der Kreis und die Kommunen tragen, weiß Heinze. Nach einem Treffen mit den Vertretern der zwölf Großgemeinden am 25. August soll entschieden werden, ob der Kreis zügig einsteigt oder vorerst nicht. Auch die Kreispolitik soll in den Prozess eingebunden werden.
Heinze selbst sieht das Großprojekt positiv angesichts der vielen positiven Rückmeldungen, die aus den Pilotregionen kommen. Doch hat ein Telefonprojekt von solchen Dimensionen im Internetzeitalter eine Zukunft, wo doch auch die Kommunen selbst ihren Bürgern im Netz einen immer besseren Service bieten? Ja, glaubt Heinze: Laut einer Studie wollen 60 bis 70 Prozent der Bürger bei Behördenauskünften nach wie vor einen persönlichen Ansprechpartner haben.
