Straßenbeleuchtung
Schon jetzt ist es stockdunkel
Macht die Gemeinde Neu Wulmstorf ernst mit ihrem Vorhaben, aus Spargründen nachts das Licht in den Wohngebieten auszuschalten, dürfte ihr wohl das nächste Bürgerbegehren ins Haus stehen: Nachdem die HAN über die Empfehlung der Verwaltung zur Nachtabschaltung der Straßenlaternen berichtet haben, geht ein Aufschrei der Empörung durch die Gemeinde.
Neu Wulmstorf. Vor allem im Hauptort Neu Wulmstorf fürchten die Bürger angesichts der vielen Haus- und Wohnungseinbrüche, dass sich die Sicherheitslage dort noch verschlechtert, wenn die Wohnstraßen zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens in kompletter Dunkelheit liegen. Schon jetzt, da die Lampen noch brennen, sei es so stockdunkel, dass sie aus ihrem Fenster nicht bis zur gegenüberliegenden Straßenseite gucken könne, berichtet eine Anwohnerin.
Andere Anlieger verweisen auf die Relikte von Drogenkonsum, die auf Spielplätzen im Ortskern herumliegen und fürchten, dass sich die Szene völlig unbeobachtet ausbreiten könne, wenn völlige Dunkelheit herrsche.
Die Sicherheit ist ohnehin seit Jahren ein Thema im Ort, viele Bürger wünschen seit Jahren mehr Polizeipräsenz vor Ort. Vor diesem Hintergrund sei der Vorschlag, nachts das Licht abzustellen, nur um 15 000 Euro im Jahr zu sparen, "völlig instinktlos", ärgert sich ein Anwohner im Ortskern.
Den besorgten Bürgern voran marschiert die CDU-Fraktionsvorsitzende Carola Rust, die ihre erbitterte Gegenwehr gegen die Pläne der Verwaltung ankündigt: "Ich habe gedacht, ich falle vom Glauben ab, als ich das gelesen habe. Andere Gemeinden denken über Bürgerwehren nach, und wir machen das Licht aus. Das ist ein Unding. Ja, wir müssen sparen, aber dieses Geld müssen wir haben", sagt Rust.
Die Chefin der größten Gemeinderatsfraktion, die selbst in einem Wohngebiet im Ortskern lebt, kann die Sorge der Bürger gut nachvollziehen - teilt sie sogar aus eigener leidvoller Erfahrung: Sie selbst ist bereits zweimal Opfer von Einbrüchen in ihr Haus gewesen, zuletzt im August 2009. Und erst am vergangenen Sonntag hatten Einbrecher die Beute, die aus einem anderen Einbruch im Ort stammte, bei ihr auf dem Grundstück deponiert, berichtet Rust: "Zunehmend ist hier unser Hab und Gut gefährdet. Wenn wir jetzt auch noch das Licht ausmachen, ist das eine Einladung, dass noch mehr passiert."
Leichtsinnig und unvernünftig sei der Vorstoß angesichts der Lage in Neu Wulmstorf, kritisiert Rust. Sie hoffe sehr, dass ihre Fraktion sich ihren Bedenken anschließe und dem Vorschlag der Verwaltung nicht folge, sagt die CDU-Frau und kündigt an: "Ich werde mit allen Mitteln versuchen, das zu verhindern - und wenn ich eine Unterschriftensammlung mache."
Die Nachtabschaltung der Straßenlaternen ist nicht nur in Neu Wulmstorf ein heikles Thema: In Garstedt hatten die Bürger beim ersten Bürgerentscheid auf kommunaler Ebene in Niedersachsen 1996 verhindert, dass ihnen die Gemeinde nachts das Licht abstellt.
