Prävention
Vorsicht, wenn es wild wird
Seit Jahren schon ist Jagdpächter Hermann Brusch, 74, aus Laßrönne über die hohe Zahl der Wildunfälle auf der Landesstraße 217 zwischen der Nettelbergbrücke und Drage besorgt. Auf einem etwa drei Kilometer langen Streckenabschnitt war es in den vergangenen Jahren jeweils zu durchschnittlich rund 15 Verkehrsunfällen mit Wildtieren gekommen.
Um derartige Verkehrsunfälle in Zukunft möglichst zu verhindern, setzen jetzt Verkehrswacht, Jagdpächter und Polizei auf neuartige blaue Reflektoren, die an dem betroffenen Streckenabschnitt an den Leitpfosten montiert wurden.
Nach der Genehmigung durch das Niedersächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr Lüneburg, gingen Dieter Brusch, 36, Adolf Falken, 67, Verkehrswacht Harburg Land e.V. und Dirk Poppinga, 45, Verkehrssicherheitsberater Polizeiinspektion Harburg, ans Werk und montierten die Reflektoren einer Firma aus Bayern. Die Kosten teilen sich Jagdpächter und Verkehrswacht, die das Pilotprojekt im Landkreis Harburg damit unterstützt.
Wildtiere sind grundsätzlich farbenblind, nur die Farbe Blau ist als solche für sie erkennbar und stellt damit eine Warnfarbe dar. Gerade jetzt in der Getreideerntesaison macht die Aktion Sinn. Durch das Abernten der Getreideschläge verlieren vor allem Rehe die für sie wichtige Deckung und ziehen in den ersten Tagen danach oft scheinbar planlos auf der Suche nach neuen Einständen umher. Hierbei werden nicht nur in den Nachtstunden Straßen überquert. Damit sind Zusammenstöße mit Kraftfahrzeugen programmiert.
Sind Wildunfälle nun eher eine seltene Ausnahme? Die Statistiken bezeugen das Gegenteil. Mehr als 200 000 Zusammenstöße mit Waldgetier werden den Kfz-Versicherern alljährlich zur Regulierung gemeldet. Fast 400 Millionen Euro muss die Assekuranz dafür hinblättern.
Das bedeutet, dass sich der durchschnittliche Schaden bei einer Kollision mit Wild auf annähernd 2000 Euro beziffert. Rund 100 000 Rehe, 10 000 Stück Rotwild und 200 000 Hasen beziehungsweise anderes Kleingetier sind es, die nach Schätzungen der Jagdverbände in jedem Jahr unter die Räder kommen.
Aber auch für die Kraftfahrer gehen Wildunfälle nicht nur mit Blechschäden ab. Etwa 3500 Verletzte und 30 Tote melden alljährlich die amtlichen Unfallstatistiken. Vor allem Zusammenstöße mit Reh-, Rot- und Schwarzwild sind es, die schwere Folgen haben können. Unter Umständen reicht dafür sogar ein ungeschicktes Notmanöver aus, das einem Fuchs oder Hasen das Leben retten soll und an einem Baum endet. Nur selten flitzt Wild am helllichten Tag über die Straße. Rund zwei Drittel aller Wildunfälle passieren zwischen Sonnenuntergang und Tagesanbruch.
Für viele Menschen scheinen Straftaten aus einer anderen Welt zu stammen. Doch es kann jeden treffen. Nur wer weiß, wie man sich effektiv schützt, kann sich in vielen Situationen bewusster verhalten und sicherer leben. Mit der Aktion "Mit uns auf der sicheren Seite", die die HAN mit der Polizeiinspektion Harburg und dem Winsener Anzeiger durchführen, erhalten Sie Infos und Tipps immer am letzten Sonnabend eines Monats. Heute in Folge 57 geht es um das Vermeiden von gefährlichen und viel zu häufigen Wildunfällen im Straßenverkehr.
