Fechten

Schnelligkeit, Intelligenz, Ausdauer

An dieses Gefühl muss ich mich erst gewöhnen: Ein maskierter Mann holt kurz aus, macht einen schnellen Schritt nach vorn und schlägt mir mit seinem Säbel auf den Kopf. Metall rasselt gegen Metall und mein Gegenüber beruhigt: "Angst? Wieso Angst? Wozu gibt es beim Fechten Schutzkleidung!"

HAN Redakteur Florian Kleist (weiß) lässt sich von Mehmet Bilinir (Blau-Weiss Buchholz) in die Fechtkunst einführen.

Buchholz.  Rund 90 Mitglieder hat die Fechtabteilung von Blau-Weiss Buchholz. Deren Gründer und Leiter Mehmet Bilinir freut sich nicht nur über die solide Mitgliederzahl, sondern auch über die breite Altersspanne, die von sieben bis 70 reicht. Eine Altergrenze ist schwer zu benennen: "Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften gibt es Teilnehmer, die sind fast 80. Sie gehen mit Krücken an die Planche, tauschen diese dann aber gegen ihre Waffen und fechten los", so der 59-Jährige. Nicht nur Kinder und Jugendliche würden in der Anfängergruppe zu den Waffen greifen: Auch bewegliche Mitt-Vierziger könnten mit dem Fechten beginnen, so Bilinir: "Ein Vater zum Beispiel hat lange Zeit seine Tochter immer zum Training gefahren und nur daneben gesessen. Irgendwann hat er dann einmal mitgefochten und ist dabeigeblieben."

Auf dem Weg zu einem gültigen Treffer - dem Ziel beim Fechten - sei Kraft zweitrangig. "Ein bisschen Ausdauer, Intelligenz gepaart mit Schnelligkeit: Das ist das Wichtigste", so Bilinir. Anfänger trainieren zunächst die richtige Haltung. Der Waffen, der Arme, des Körpers insgesamt: "Alle Bewegungen müssen harmonieren", erklärt der Fecht-Trainer. Beim Angriff mit Ausfallschritt zum Beispiel schnellt die Waffenhand nach vorn, während parallel der andere Arm zur Stabilisierung sowie zum Schwung holen für den Rückschritt dient und die Füße ein "L" bilden. "In den ersten sechs Monaten des Trainings werden vor allem Bewegungsabläufe und Haltung geübt. Bis alles wie beim Autofahren in Fleisch und Blut übergeht", so Bilinir.

Die körperliche Fitness ist die eine Sache, die geistige aber macht beim Fechten oft den Unterschied: "Es gibt zig Möglichkeiten einen Schlag des Gegners zu parieren. Man muss vorausahnen, was er will, und sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um den Gegner zu überlisten", sagt Bilinir, dem die Begeisterung für diesen schnellen Sport auch nach 27 Jahren als Abteilungsleiter der Fechter anzumerken ist.

Beim Probe-Training ist für mich noch vieles ungewohnt: Von der festen Kleindung bis zu dem Blick durch die feinmaschige Metall-Maske. Bilinir stellt aber fest, dass sich bereits nach einer Stunde eine gewisse Selbstverständlichkeit in die Haltung und die Schrittfolge einschleicht. Bis sich diese Routine auch bei dem Gefühl, einen Säbel auf den Kopf zu bekommen, einstellt, braucht es wohl ein bisschen länger . . .