Gregor Bergmann

"Rettender Engel" hilft

Eine hilfsbereite Frau hat am Bahnhof Neuwiedenthal einem schwer behinderten pensionierten Polizeihauptkommissar aus einer verzweifelten Lage geholfen. Der "rettende Engel" heißt Ingrid Schenkelbauer . Am 24. August liefen sich beide über den Weg, als sich Gregor Bergmann (77) mit seinen ehemaligen Kollegen treffen wollte.
Gregor Bergmann

Gregor Bergmann freut sich, dass er auf einen hilfsbereiten Menschen traf.

Neuwiedenthal. Der in Toppenstedt lebende Bergmann hat 1999 eine schwere Gehirnblutung erlitten und leidet seither an einer Aphasie - einer Sprech- und Sprachstörung und kann kaum lesen. "Dadurch gerät er gelegentlich in Panik - besonders, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert", schildert Ehefrau Renate eine weitere Folge der Erkrankung. "Trotzdem wollen wir uns nicht isolieren und haben viel gemeinsam geübt."

Mittlerweile hat Gregor Bergmann gelernt, bekannte Strecken allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. "Diese Bewegungsfreiheit macht ihn froh und immer selbstständiger", sagt seine Frau. Trotzdem könne es passieren, dass er irritiert sei und Hilfe benötige - wie am 24. August in Neuwiedenthal.

Bergmann war mit alten Kollegen verabredet. Sie wollten ihn am Bahnhof Neugraben von der S-Bahn abholen. Ehefrau Renate hatte ihm zur Sicherheit noch einen Zettel mit der Telefonnummer eines Kollegen in die Tasche gesteckt. Alles ging gut - bis er fast am Ziel war. Da er wegen seiner Aphasie nur mühsam lesen kann, entzifferte Gregor Bergmann nur "Neu . . ." und stieg aus. Doch kein Kollege wartete auf ihn, niemand kam.

Statt in Neugraben war er in Neuwiedenthal ausgestiegen, wie er erst viel später realisierte. In dieser Stresssituation geriet er in Panik und konnte nicht mehr klar denken. Ingrid Schenkelbauer fiel seine zunehmende Unruhe auf. "Suchen Sie jemanden? Kann ich Ihnen helfen?" Für ihren Mann sei die hilfsbereite Ingrid Schenkelbauer der rettende Engel gewesen, meint Renate Bergmann: "Sie hatte erkannt, dass da jemand in Not war." Ohne zu zögern habe sie von ihrem Handy aus die Telefonnummer auf dem Notizzettel angerufen. Gregor Bergmann sei dann abgeholt worden: "Und die Not hatte ein Ende. Dafür möchten wir ihr an dieser Stelle danken."