Kunstwoche

Jesteburg sprüht vor Energie

Einst sprühte er nur so vor Energie. Jetzt versprüht er Energie mit seinen Augen: Albert Einstein. Das auf der Arbeit von Peter Döhle aus gutem Grund. Denn das Thema der gestern Abend eröffneten 9. Jesteburger Kunstwoche lautet "Energie".
Kunstwoche Jesteburg 2010

Egidius Knops: "Helios", installiert im Pastorenteich.

Jesteburg. Rund 60 Künstler haben ihre Bilder, Installationen und Video-Projekte wieder über den ganzen Ort verteilt. Den größten Effekt indes erzielt Peter Vogel mit seiner Lichtillumination. Diese taucht den Ort nach Einbruch der Dunkelheit in 20 Farbabstufungen. Die Hauptstraße, die Kirche, das Heimathaus, die alten Bäume an der Ortsdurchfahrt erscheinen in gelb, orange, rot, blau, violett bis hin zum gleißenden grün. So energievoll war Jesteburg bisher nicht zu erleben.

Die Kunstwoche verwandelt den Heideort wieder für zehn Tage in eine gigantische Galerie unter freiem Himmel. Ob im Kunsthaus, im Heimathaus, im Rathaus, in der Sparkasse Harburg-Buxtehude, im Heimatmuseum, in der St.-Martins-Kirche und in viele Einzelgeschäften: Überall ist Kunst zu sehen. Aber auch im Pastorenteich, im Lüllauer Brookhoff und in Itzenbüttel. Unter den Künstlern befinden sich einige Lokalmatadore wie Susanne Dinter aus Jesteburg, Andreas Ohlendorff aus Winsen sowie Petra Hagedorn und Karsten Schmidt aus Harburg. Es gibt aber auch ein Wiedersehen mit Künstlern, die schon mehrfach an der Kunstwoche teilgenommen haben, wie Gabriela von Habsburg und Claus Hipp. Ein Sonderfall ist die Ausstellung in der Ausstellung: Auf dem Außengelände der Galerie im Fachwerk zeigt Inge Zorn Plastiken von Frank Focke. Der Künstler hatte hier einst seine erste Einzelausstellung, jetzt ist es seine letzte. Focke schied in diesem Jahr aus dem Leben.

Die beteiligen Künstler, die sich alle eine Jury stellen mussten, beleuchten das Thema Energie von jeweils ganz anderen Seiten. So hat Vadim von Aladov seinen Menschen statt Köpfen Glühbirnen verpasst. Elke Bergerin hat in einer Bilderserie Energie als Motor des eigenen Lebens ausgemacht. Robert Frenzel hat eine Filmkulisse en miniature nachgebaut, hinter der es kräftig donnert. Patrick Luetzelschwab hat eine Farbinstallation geschaffen, bei der er den Energieproblemen recht spielerisch begegnet. Gennadi Piasetski hat auf dem farbenfrohen Bild "Bewegung im Licht" diesen Begriff auch politisch ausgedeutet. Die Gruppe "Salience project" hat eine Video- und Toninstallation zur Kunstwoche beigesteuert, bei der Tabletten als Energiespender, aber auch als Energievernichter interpretiert werden.

Zu nennen wäre noch viele weitere Arbeiten. Humorvolle über das Schneckentempo, mystische wie die "kosmische Wiege" und menschenverachtende wie die Schachtel mit den von einem Macho abgelegten Frauen. Sie alle beleuchten das Thema Energie von einer anderen und unerwarteten Seite und machen die Ausstellung zu einer Art philosophischer Auseinandersetzung mit einem im ersten Augenblick sehr gewöhnlich wirkenden Begriff.

Kunstwoche Jesteburg

Das Beiprogramm:

Täglich 11-18 Uhr, Malschule Dinter, Harburger Straße 40: : Ausstellung von Malschülern und Malen vor dem Publikum.

Heute, 14 Uhr, Heimathaus: Bei einer Performance von Albrecht Ferch entsteht ein „Tanz-Bild“.

Morgen, 19.30 Uhr, Kunsthaus: „Auf dem Hochsitz“, Film von Michael Heuer über die nachlassende Energie eines Menschen.

Donnerstag, 9. September, 16 Uhr, Bücherei auf dem Niedersachsenplatz: Experimentalshow für Kinder.

Sonnabend, 11. September, 14.30 Uhr, Kunsthaus: Verleihung des Kunstpreise der Gemeinde Jesteburg durch Schirmherr Sigmar Gabriel.

Infobox

Kulturwoche

Die Kunstwoche dauert bis Sonntag, 12. September. Die Orte der Ausstellungen sind durch einen grünen Schirm gekennzeichnet sowie von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Katalog drei Euro. (ebe)