Arbeitsmarkt

Chancen mit "50plus"

Mehr als 50 Jahre alt, arbeitslos und keine Aussicht auf eine neue Anstellung: Seit es im Grone Bildungszentrum in Buchholz das Projekt "Reife Leistung" gibt, hat dieses Szenario für etliche Betroffene an Schrecken verloren: Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer erhält anschließend eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Fred Witthein

Fred Witthein aus Neu Wulmstorf: "Ich bin ganz sicher, dass ich wieder eine Arbeit finden werde. Dieses Projekt wird mir dazu verhelfen."

Buchholz. In den fünf Jahren seines Bestehens hat sich das vom Bundesarbeitsministerium veranlasste und von diesem auch finanziell geförderte Projekt "Reife Leistung" nicht nur bei den Arbeitslosen der "Generation 50plus" einen Namen gemacht. Auch bei den Arbeitgebern hat ein Umdenken eingesetzt. "Im Süderelbegebiet sind immer mehr Firmen bereit, arbeitslosen Menschen jenseits der 50 die Chance zu einem Wiedereinstieg ins Berufsleben zu gewähren", beobachtet Rupert Seuthe, Manager des Projekts "Reife Leistung - Süderelbe packt an".

Sabine Baldamus, Projektleiterin in Buchholz, berichtet von großem Interesse der Arbeitgeber: "Wir haben viele Anfragen aus dem Pflegebereich, dem Einzelhandel und von Dienstleistern." Gefragt seien auch gute ältere Handwerker ("Für die finden wir in der Regel wieder eine Beschäftigung") und Fahrer, wobei da entgegen landläufiger Meinung nicht nur Männer eine Chance hätten. Auch Sicherheitsdienste würden Arbeitnehmer jenseits der 50 übernehmen. Während sich beim Start vor fünf Jahren mehr Männer als Frauen von der Teilnahme an dem Projekt einen neuen Arbeitsplatz versprachen, sind laut Volker Putensen, ebenfalls Projektleiter bei Grone, beide Geschlechter inzwischen je zur Hälfte vertreten.

Die Vorteile von "Reife Leistung" weiß auch Klaus Jentsch, Geschäftsführer der Arge in Winsen, zu schätzen: "Davon profitieren beide Seiten: Die Arbeitsuchenden haben Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz, die Arbeitgeber auf Mitarbeiter mit aktualisiertem Kenntnisstand."

Laut Rupert Seuthe hat das Ministerium entschieden, die Förderung solcher Programme in den nächsten fünf Jahren fortzusetzen. Das sei von entscheidender Bedeutung, um Beschäftigte nach längerer Arbeitslosigkeit wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen: "Hier wird ausschließlich in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt."

Auf die hofft auch Fred Witthein (53) aus Neu Wulmstorf. Er ist seit Anfang August Teilnehmer der aktuellen Schulung: "Ich wurde durch einen schweren Verkehrsunfall mit mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt arbeitslos." Vor einigen Jahren hätte er sich kaum vorstellen können, einmal in diese Situation zu geraten: "Als Computersicherheitstechniker habe ich sogar junge Leute ausgebildet." Nachdem er die Folgen des Unfalls vom 19. Februar 2009 auskuriert habe, wolle er nun unbedingt wieder arbeiten: "Dafür werde ich hier fit gemacht, denn gerade in meinem Beruf ändern sich die Arbeitsbedingungen schnell. In den letzten Monaten habe ich einiges verpasst, was ich hier aufhole. Meinem Arge-Betreuer bin ich dankbar, dass er mich gleich hierher vermittelt hat."

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Pakt verhilft zu neuer Arbeit

In den ersten acht Monaten dieses Jahres haben bereits 133 ältere Arbeitssuchende ("Generation 50plus") im Landkreis Harburg mithilfe des sogenannten Aktivierungsprojekts "Reife Leistung - Süderelbe packt an" eine neue versicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. "Reife Leistung", ein Gemeinschaftsprojekt der Süderelbe AG, der Grone-Bildungszentren Buchholz und Winsen sowie der Arge, startete im Herbst 2005 zunächst im Kreis Harburg und wurde später auf die Nachbarkreise Lüneburg und Stade ausgedehnt. Der Staat investiert im Schnitt rund 5000 Euro in die Wiedereingliederung eines älteren Arbeitslosen. (ewa)