Zum Träumen und Staunen
Discokugeln treiben auf dem Wasser des Müggenburger Zollhafens und verstreuen Tausende kleiner Lichtreflexe ins Umfeld. Ein Projekt zum Träumen und Staunen. Gezeigt wird es im Rahmen eines Kunst-Parcours, der entlang der S-Bahnlinie 3 von Harburg bis nach Altona führt.
Wilhelmsburg/Harburg. "Aussicht auf Veränderung" heißt das Ereignis. Präsentiert wird es von der "Akademie einer anderen Stadt" - der Kunstplattform der Internationalen Bauausstellung (IBA) - noch bis zum 3. Oktober. An den S-Bahn-Stationen Harburg, Wilhelmsburg, Veddel, Landungsbrücken und Altona sind 16 Kunstprojekte zu sehen, die die künstlerische Leiterin Ute Vorkoeper zusammengestellt hat.
Postkartenidylle in der Hafenlandschaft nördlich der Elbe - doch im Süden der Stadt werden erst jetzt die lange Zeit städtebaulich vernachlässigten Stadtteile Harburg, Wilhelmsburg und Veddel mit dem Senatsprogramm "Sprung über die Elbe" saniert. Ist die aktuelle Stadtentwicklung Wunsch, Behauptung, Wirklichkeit oder unerwünschte Heimsuchung?
Um Bewegung in die Diskussion zu bringen, hat die ,Akademie einer anderen Stadt’ einen Kunst-Parcours quer durch die Stadtteile initiiert. Unter dem Motto ,Aussicht auf Veränderungen’ loten zeitgenössische Künstler Klischees und Vorurteile über beide Elbseiten aus, thematisieren Änderungen, Ängste sowie Hoffnungen, und eröffnen so neue Blickwinkel auf Urbanität. "Damit macht das Projekt den Sprung über die Elbe haptisch erlebbar und eröffnet im Sinn der IBA Möglichkeitsräume, in denen lokale Stadtgesellschaften, internationale Kunst und Stadtentwicklung in einen Austausch gebracht werden", erklärt Gerti Theis, Projektkoordinatorin für den Bereich Kunst und Kultur der IBA.
Die Akademie bringt Kunst in städtische Räume, auf die fast nie der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerichtet wird: Hafenbecken, Autobahnbrücken, Parkhäuser, Fahrstuhlräume und Großwerbeflächen werden aus ihrem tristen Dasein gelöst, um Botschaften ins urbane Leben ihrer Bewohner zu tragen. Alles scheint dabei möglich zu sein. Beispiele:
Der Künstler Christian Hasucha präsentiert eine Rauminstallation, Titel: "Probewohnen in Wilhelmsburg". Auf dem obersten Deck des Marktkauf-Parkhauses in Wilhelmsburg ist eine Loggia auf einem Baugerüst eingerichtet, die den Besucher zum "Probewohnen" einlädt. Hier kann man über den Dingen schweben, die Stadt aus privilegierter Höhe betrachten und sich dabei von anderen Stadtbewohnern beobachten lassen.
Fachoberschülerinnen für Bekleidung haben ihre ausrangierten Kleidungsstücke zerlegt und diese miteinander zu großformatigen Kleiderbildern vernäht. Einige Collagen werden an Fahnenmasten vor dem Marktkauf-Parkhaus in Wilhelmsburg zu begutachten sein.
"Hochparterre Altona" ist der Titel einer Videoprojektion von Nevin Aldag. Er hat Bewohner von Altona-Altstadt über ihr Leben in der Nachbarschaft befragt, deren Antworten aufgenommen und zusammengeschnitten. In der ehemaligen Aufsichtskabine des Busbahnhofes in Harburg an der Hannoverschen Straße ist ein Video von der "Performance" zu sehen.
Ihre Zeichnungen und Plakate zu diesem Thema hat die Künstlerin Katrin Ströbel mit der Riso-Druckmaschine des Kunstvereins Harburger Bahnhof für den Stadtraum vervielfältigt. Im Kunstverein zwischen den Gleisen 3 und 4 des Harburger Bahnhofs werden all ihre Motive gezeigt.
In dem gläsernen Wartehäuschen an der Ausstiegshaltestelle der legendären Wilhelmsburger Buslinie 13 am Veddeler S-Bahnhof wartet keiner. Die Künstlerin Andrea Knobloch hat das Buswartehäuschen in ein begehbares Kaleidoskop verwandelt, das zum Verweilen einlädt.
Ute Vorkoeper erklärt: "Die S-Bahnlinie 3 wird zum Shuttle, mit dem man von beiden Elbseiten zu den Installationen, Videoprojekten, Aktionen und Performances gelangt. Sie sind in und um die fünf S-Bahnhöfe, in kooperierenden Institutionen sowie in privaten Räumen der Umgebung zu sehen."
