Zisch
"Wir wollen Jugendarbeit mit Freizeitangeboten fördern"
Anlässlich des "Zisch"-Projekts an unserem Gymnasium im Zusammenhang mit dem Politik- und Deutsch-Unterricht sowie der bevorstehenden niedersächsischen Kommunalwahlen im September, habe ich den Hollenstedter Bürgermeister Jürgen Böhme um ein Interview gebeten, damit wir tiefere Einblicke in den politischen Alltag eines Bürgermeisters erhalten.
Eike Behrens: Herr Böhme, wie lange sind Sie bereits im Amt?
Jürgen Böhme: Zum Ende September, wenn die Neuwahlen kommen, bin ich zehn Jahre im Amt.
Haben Sie es je bereut, sich mit Politik zu beschäftigen und sich wählen zu lassen?
Nein, grundsätzlich habe ich das nicht bereut. Mir macht das Amt weiterhin Spaß und bei allen zeitlichen Konsequenzen mache ich das gern.
Verträgt sich das Arbeiten in der Politik mit dem Familienleben? Ich denke, dass man viel Freizeit opfern muss, die einem für andere Dinge fehlt.
Es ist schon verträglich, nur muss man das, wie ich es gemacht habe, vor der Wahl zum Bürgermeister mit der Familie abstimmen, und wenn die Familie da mitmacht, dann ist das schon verträglich, nur muss der Partner damit einverstanden sein, da das Amt viel Zeit in Anspruch nimmt.
Kann man mit Politik viel Geld verdienen oder wiegt es den Verlust der Freizeit und der Anonymität nicht auf?
Also man kann mit der Politik auf ehrenamtlicher Basis, so wie ich sie mache, kein Geld verdienen. Ich kriege hier als ehrenamtlicher Bürgermeister eine geringe Aufwandsentschädigung. Dies wiegt den Verlust der Freizeit nicht auf, man muss es eben so sehen, dass ich das gern mache und Spaß an der Politik habe, weil ich auch was gestalten kann, und das wiegt es vielleicht auf. Aber die Freizeit kann man mit dem Geld, welches man verdient, nicht kompensieren. Man kann auf ehrenamtlicher Basis in der Kommunal-Politik kein Geld verdienen.
Könnte man sagen, dass Politikmachen ein Hobby ist?
Ganz eindeutig ja, man muss Spaß und Lust haben, und man muss eben auch bereit sein, sich ehrenamtlich für die Gemeinde zu engagieren. Wenn man auch etwas erreicht, zurückblicken kann, dass man in der Vergangenheit was Sinnvolles gemacht hat, dann ist es in Ordnung, wobei noch anzufügen ist, dass Hobby immer Freizeit ist, und die Aufgaben, die man hat, muss man mit Ernsthaftigkeit ausführen.
Was würden Sie einem Menschen raten, wenn er in die Politik gehen will? Welche Eigenschaften müsste er auf jeden Fall mitbringen?
Er muss in erster Linie Bereitschaft zeigen, sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit zu betätigen, muss viel an Engagement mitbringen und auch eine gewisse Überzeugung für das, was er tut, und natürlich dazu einen gesunden Menschenverstand.
Welche Aufgaben hat ein Bürgermeister?
Also, ein Bürgermeister ist in einer kleinen Gemeinde für alles zuständig. Das reicht von der Repräsentation der Gemeinde, bei Geburtstagen und Jubiläen zum Beispiel, über die Leitung der Verwaltung, den Vorbereitungen der Ratssitzungen bis zu außerörtlichen Terminen.
Wie wird man Ratsmitglied und Bürgermeister?
Zum Ratsmitglied wird er, wenn er sich bei der Kommunalwahl zur Wahl stellt, das heißt, er muss Bereitschaft zeigen, zu kandidieren und sich für das Allgemeinwohl einzusetzen. Dann kann er kandidieren. Wenn er gewählt wurde, ist er ein Ratsmitglied. Die Ratsmitglieder wählen nun wiederum aus ihrer Mitte den Bürgermeister. Der hauptamtliche Bürgermeister, wie ein Samtgemeindebürgermeister, wird alle acht Jahre vom Bürger direkt gewählt.
Wie entsteht die Wählerliste?
Eine Wählerliste entsteht, wenn die Parteien Kandidaten nominieren. Ein Kandidat kann als Einzelperson antreten, der dann, glaube ich, 200 Unterschriften vorlegen muss.
Kann man eigenständig in seiner Gemeinde Politik betreiben oder ist man an die Vorgaben der Bundespolitik gebunden?
Der Bürgermeister kann Ideen und Vorschläge einbringen, aber die Entscheidungen trifft der Gemeinderat. Er muss sich selbstverständlich nicht an die große Politik halten, wir müssen uns an die entsprechenden Gesetze halten. Ich denke, dass die Mitglieder des Gemeinderats sich ihrem Gewissen gegenüber zu verantworten haben und sich um die Probleme in der Gemeinde kümmern müssen. Wir sind als CDU oder SPD in keiner Weise an die Vorgaben der Bundesparteien gebunden, die in solche Belange hineingezogen werden.
Die heutige Jugend ist unsere Zukunft. Was haben Sie bisher speziell für die Jugend getan und was würden Sie für die Jugend tun, wenn Sie wiedergewählt werden würden?
Auf Kommunalebene sind die Möglichkeiten, etwas für die Jugend zu machen, begrenzt. Was wir machen können und auch getan haben, ist, die Jugendarbeit mit Freizeitangeboten zu fördern, die Sicherung der Schulstandorte, und den Bau des hiesigen Jugendtreffs. Und wofür wir nur die Grundlagen schaffen können, Ausbildungsplätze zu schaffen und zu erhalten.
Was wünschen Sie sich von Ihren Bürgern ?
Sie sollten sie sich mit ihrer Gemeinde identifizieren, sich zum Wohl der Bürger engagieren und sich über die Belange hier informieren um dadurch auch Verständnis für manche Entscheidungen zu haben.
