Pflege
Schlechte Bedingungen im Altenheim? Finden wir nicht!
Jetzt wird aufgeräumt mit Vorurteilen gegen Altenheime und ihre schlechten Bedingungen. Am Anfang unserer Recherche hatten wir Schüler und Schülerinnen aus der achten Klasse interviewt. Dabei ging es uns darum, typischen Vorurteilen, wie zum Beispiel, dass ein Altenheim ähnlich bedrückend wie ein Krankenhaus auf die Senioren wirkt, entgegenzuwirken.
Dies konnten wir gleich, als wir das Cura-Seniorenzentrum Winsen betraten, widerlegen, denn wir wurden in einem mit Blumen dekorierten Wintergarten in Empfang genommen. Das Aquarium mit Fischen in der Eingangshalle vermittelte uns sofort eine wohnliche und gemütliche Atmosphäre. Diese begleitete uns auch durch das ganze Haus, die Wände waren mit freundlichen Farben gestrichen und mit Bildern geschmückt.
Da die Senioren in ihrer Kindheit viele Märchen gelesen oder vorgelesen bekommen haben, hängt in einem Gang eine Reihe von Bildern, die die Bremer Stadtmusikanten zeigen. Ursula Sindermann, Ergotherapeutin des Cura-Seniorenheims in Winsen, beantwortete uns unter anderem ausführlich unsere, beziehungsweise die Fragen, die sich aus den Interviews mit unseren Mitschülern ergaben.
Ursula Sindermann erklärte uns den Tagesablauf verständlich und genau: Morgens können die Senioren selber bestimmen, wann sie geweckt werden wollen und auch noch mal eine Stunde länger schlafen, wenn sie noch müde sind. Danach gibt es ein gemeinsames Frühstück, in den vier verschiedenen Ebenen oder auch auf Wunsch im eigenen Zimmer.
Das Altenheim ist in vier verschiedene Ebenen aufgeteilt, die den Pflegern ihre Arbeit erleichtern. Jeder Ebene ist eine bestimmte Gruppe von Pflegern zugeordnet. Das ist gerade für die an Demenz erkrankten Bewohner wichtig, da diese eine feste Bezugsperson brauchen, um sich im täglichen Alltag zurechtzufinden. Die geräumigen Zimmer werden meist von zwei Senioren bezogen und können mit eigenen kleineren Möbelstücken individuell gestaltet werden, sodass eine gemütliche Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit entsteht.
Zum Mittagessen gibt es zwei verschiedene Gerichte, zwischen denen die Senioren wählen können. Auf Sonderwünsche, wie zum Beispiel vegetarisches Essen oder Lebensmittelallergien, wird selbstverständlich Rücksicht genommen. Mindestens einmal die Woche kochen die Senioren selbst und verzehren das Essen dann auch mit großem Appetit.
Am Nachmittag werden verschiedene Beschäftigungsprogramme angeboten, dazu gehört das Gedächtnistraining. Dieses wird auch sehr gut angenommen, da es den Senioren eine Möglichkeit bietet, sich geistig fit zu halten. Jeden Nachmittag wird zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Klönen eingeladen. Dabei wird nicht nur Kaffee getrunken, sondern auch Obstsalat, den Pfleger mit den Senioren zusammen vorbereitet haben, gegessen.
Zwischen Pflegern und Senioren besteht eine freundschaftliche Beziehung, auf die auch großen Wert gelegt wird. Es soll eine Vertrauensbasis zwischen Pfleger und Senioren herrschen, damit sich alle wohlfühlen und ein angenehmes Klima herrscht. Dieses fiel uns auch sofort auf, denn als wir hereinkamen, zeigte Ursula Sindermann gerade zwei Seniorinnen einen Gartenstuhl, den sie in ihrer Mittagspause gekauft hatte. Wie sie uns später erklärte, wollen die beiden Seniorinnen einer Freundin, die mit ihnen im Heim wohnt, damit zum Geburtstag eine Freude bereiten.
Das Verlassen des Geländes war in unserem Interview mit den Schülern ein großes Streitthema, manche waren der Meinung, dass es den Senioren unter keinen Umständen erlaubt ist, das Gelände zu verlassen, andere hingegen meinten, dass dies nur zu bestimmten Zeiten, mit Erlaubnis und Begleitung, gestattet ist.
Als wir nachfragten, erfuhren wir, dass es den Senioren jederzeit erlaubt ist, das Haus zu verlassen, es wird nur um eine kurze Abmeldung auf der jeweiligen Station gebeten. Allerdings wird bei Bewohnern, die an Demenz erkrankt sind, ein besonderes Auge darauf geworfen, wer wann das Gelände verlässt und ob dies wirklich mit den Pflegern abgesprochen ist. Besuch empfangen dürfen die Senioren jederzeit, so waren auch Angehörige da, als wir das Altenheim und seine Räum-lichkeiten besichtigt haben.
Unsere anfänglichen Ängste, Vorurteile oder Skepsis gegen Altenheime sind schnell verflogen, denn man kann, wie uns dieses Interview zeigte, in einem Altenheim wie diesem leben, ohne die eigene Selbstbestimmung und Selbstständigkeit aufgeben zu müssen.
