Zisch

Die Schattenseiten eines Traums

Die Pferde grasen friedlich auf der Weide, und auf dem Reitplatz herrscht reges Treiben. Doch ist es wirklich alles so harmonisch? Ist dieses schöne Bild die ganze Realität?

Viele pferdebegeisterte Mädchen träumen davon, einen eigenen Reiterhof zu haben und jeden Tag von morgens bis abends mit den geliebten Pferden zusammen zu sein. Man könnte - wann immer und so oft man will - reiten. Das Hobby zum Beruf machen und die einzigen Gedanken, die man sich macht, drehen sich um die Pferde.

Doch es scheint nur so sorglos, denn im wahren Leben ist es anders. Zu einem eigenen Reiterhof gehören viel Arbeit und Verantwortung. Jeden Morgen früh aufstehen, und das erste, was man macht, ist Pferde füttern. In einem Gespräch mit Angestellten auf einem Reiterhof wurde deutlich, dass die täglichen Aufgaben, die zu einem Reiterhof gehören, körperlich sehr schwere Arbeit bedeuten und nicht mal eben so nebenbei zu bewältigen sind.

Michael, seit zweieinhalb Jahren auf einem Reiterhof beschäftigt, erzählt von seinen Pflichten. Auf dem Hof fällt vieles an, und das jeden Tag immer wieder von vorne. Die Pferde sind täglich dreimal zu füttern, genauso wie dreimal täglich die Boxen auszumisten sind. Außerdem müssen die Pferde auf die Koppeln gebracht und auch wieder zurückgeholt werden.

In einem Stall mit 42 Pferden ist man von morgens bis spät abends auf den Beinen, um alle Tiere artgerecht zu versorgen. Und das muss jeden Tag in der Woche gemacht werden, auch an Feiertagen. Außerdem gibt es noch weitere Aufgaben, die zur Erhaltung der Anlage wichtig sind. Das regelmäßige Auflockern des Hallenbodens, die Aufbereitung der Reitplätze und vielfältige Reparaturen, zum Beispiel von Zäunen. Da die Pferde täglich Bewegung brauchen und nicht immer Zeit gefunden wird, sie zu reiten, müssen die hofeigenen Pferde zusätzlich noch longiert oder in der Halle laufen gelassen werden.

Manche Reiterhöfe bieten Reitunterricht für Kinder und Erwachsene auf Reitschulpferden an. Die Reitanfänger und Fortgeschrittenen werden beim Vorbereiten ihrer Pferde von älteren erfahreneren Reitschülern unterstützt, damit die Angestellten nicht auch noch diese zusätzlichen Aufgaben übernehmen müssen.

Die Tiere brauchen eine tägliche Versorgung, deswegen ist es manchmal schwierig, Urlaub zu nehmen. Ein Angestellter erzählt, dass er schon mehr als ein Jahr auf dem Hof arbeite und erst sieben Tage Urlaub gehabt habe. Dreizehn Tage habe er noch vom vergangenen Jahr übrig, die könne er jedoch nicht in Anspruch nehmen, weil zu viel Arbeit zu erledigen ist.

Der Besitzer des Reiterhofs erzählt, dass es äußerst schwierig sei, Arbeiter zu finden. Den meisten ist es zu schwierig, zu schmutzig und zu aufwändig. Außerdem ist die Bezahlung nicht sehr attraktiv. Oft kommen Bewerber und arbeiten für eine Woche auf Probe. Sie verschwinden dann schnell wieder mit den Worten "zu viel Arbeit, zu wenig freie Zeit". Doch ohne qualifizierte und engagierte Hilfskräfte kann man einen größeren Reiterhof nicht führen.

Außer einer vollen Auslastung, damit das Einkommen stimmt, ist auf vielen Reiterhöfen das entscheidende Problem, die richtigen Mitarbeiter zu finden.