Buchholz
Piraten-Traum von einer Moschee
Zwei Dinge fehlen in Buchholz: eine Fachhochschule - und eine Moschee. Diese Auffassung vertritt Erich Romann, der gerade für die Piratenpartei in den Kreistag gewählt worden ist. Wobei er sich für Letztere eher als Privatmensch und Religionswissenschaftler einsetzt.
Buchholz. In Berlin habe er erfolgreich eine Moschee initiiert - jetzt solle Buchholz folgen. Eine Vorstellung über deren Ausrichtung hat Romann auch schon: die islamische Reformbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat. Ahmadiyya-Angehörige habe er im Bekanntenkreis.
In Berlin sei erst gegen die Moschee argumentiert worden, sie locke Ausländer an. "Das ist nicht richtig, denn die sind ohnehin da." Auch sei eine Moschee kein Hort von Kriminellen, sondern ein Ziel für die friedliebende Mehrheit. "Eine Moschee soll Anlaufstelle für jugendliche Migranten sein und ihnen sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. Und sie soll für Deutsche offen sein, die Fragen zum Islam haben", erklärt Romann. Dass man ihn für einen Spinner halten könnte, daran glaubt der 37-Jährige nicht. "Warum auch - Winsen hat auch eine Moschee, aber weniger Einwohner als Buchholz", argumentiert Romann. Nach Angaben der Stadt könne - wegen des Rechtes auf freie Religionsausübung - in Buchholz prinzipiell eine Moschee gebaut werden.
Mit seiner Partei auf einer Linie ist er hingegen in Sachen Fachhochschule für Buchholz: "Der Landkreis Harburg hat keine einzige Hochschule. Das birgt die Gefahr, dass die Intelligenten zum Studium wegziehen - und nicht wiederkommen." Fachlich solle die Hochschule sich mit Biochemie und anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen befassen: "Das hat Zukunft und würde Arbeitsplätze schaffen." Auch einen Standort hat Erich Romann - der Biochemie im Hauptfach und Religionswissenschaften im Nebenfach studiert hat - schon ausgeguckt: in der Nachbarschaft zum Buchholzer Krankenhaus, "die ehemalige Zivildienstschule würde sich gut eignen und könnte auch bei Bedarf erweitert werden."
SPD-Kreistagsfraktionschef Jens-Rainer Ahrens, dem Romann seine Überlegungen bereits mitgeteilt hat, hält das Vorhaben jedoch für wenig aussichtsreich: "Eine Fachhochschule ist eine schwierige Veranstaltung, zumal die Landesregierung dazu tendiert, Fachhochschulen zu schließen", so Ahrens. Auch die Zustimmung des Wissenschaftsrates - Voraussetzung, um Bundesmittel zu bekommen - halte er für aussichtslos. "Man sollte die Idee nicht vom Tisch wischen, aber wissen, dass man Geduld und Zeit braucht."
Für realistischer hält es Ahrens, sich "reinzuschleichen", etwa durch die Kooperation von WLH und der Buxtehuder Hochschule N21, die der Kreistag am Montag verabschiedet hat. "Herr Romann muss sich ja auch erst einen Überblick verschaffen, aber dabei helfen wir ihm gern", rät der Altgediente dem Neuen.
