Schlecker
Streichkonzert: Auch diese Filialen könnte es treffen
15 Schlecker-Filialen gibt es in Harburg Stadt und Land - aber wie lange noch? Nachdem der Drogeriehandelskonzern am Freitag angekündigt hatte, Insolvenz anzumelden, sorgen sich die Mitarbeiter um ihre Zukunft. Darüber sprechen wollen sie nicht: Schlecker, berüchtigt für seinen wenig zimperlichen Umgang mit Personal, hat ihnen einen Maulkorb verpasst.
Harburg. Der Niedergang des einstigen Marktführers spiegelt sich im Zustand der Filialen in Harburg Stadt und Land wider. In sozial schwachen Stadtteilen sind Schlecker-Läden in 70er-Jahre-Bausünden zu finden, wo Discounter schon Edeka und Co. verdrängt haben. Ihr Erscheinungsbild: lieblos bis kaum zu finden. Auf dem Land scheitert Schleckers Strategie, aufgegebene Lebensmittelläden neu zu besetzen. Drogerieartikel kaufen Kunden beim Vollsortimenter im Nachbarort - den sie sowieso ansteuern. Eine der letzten Dorffilialen, in Ohlendorf, schließt im Februar. Die 40 000-Einwohner-Stadt Buchholz hat vor Kurzem den letzten von einst drei Schlecker-Läden verloren. Dort regieren Budnikowsky und Rossmann. Aus diesen Gründen dürfte es schwierig sein, alle Läden zu modernisieren. Konkurrent Rossmann schätzt, dass von den 7000 Filialen keine 100 eine Zukunft haben. Branchenexperten meinen, Schlecker habe es verschlafen, Filialen und Image zu modernisieren.
Auch der jüngste Kraftakt - Generationswechsel, neues Erscheinungsbild - brachte nicht die Wende. Auch nicht die Werbebotschaft "For You. Vor Ort". Sie richte sich an die weniger gebildete Kundschaft, sagte der Pressesprecher vor Journalisten - und erntete dafür Hohn und Spott.
