Familienbetriebe

Ein Ja zur Firmen-Ehe

Wenn man nicht nur das Ehebett, sondern auch noch die Verantwortung für ein Unternehmen miteinander teilt - ist das Fluch oder Segen? Auch im Hamburger Süden ist es gar nicht so selten, dass Unternehmen von Ehepaaren geführt werden. Die berufliche Zusammenarbeit kann sowohl die Partnerschaft als auch das Geschäft bereichern. Sie birgt aber auch eine Vielzahl von Konflikten in sich.
Ehepaare

Imke Menke und Alexander Menke leiten gemeinsam das Tonstudio Maschen. Foto: Bittcher

Harburg. Uli (42) und Kerstin Overmeyer (41) sind seit 1995 verheiratet und arbeiten ebenso lange zusammen. Die beiden Agraringenieure haben sich im Studium kennengelernt, sie betreiben den Biolandhof und den Bioladen auf dem Hof Meyer-Sahling in Emmelndorf. Während Uli Overmeyer sich hauptsächlich um den landwirtschaftlichen Bereich kümmert, ist Kerstin Overmeyer für die Personalplanung zuständig, führt Mitarbeitergespräche mit den neun Festangestellten sowie bis zu elf Aushilfen und 400-Euro-Kräften. "Das kann sie besser, da hat sie mehr Fingerspitzengefühl", sagt ihr Mann.

Den Laden managen beide gemeinsam. Und "nebenbei" muss auch noch der familiäre Alltag organisiert werden: Overmeyers haben sieben Kinder im Alter von zwei bis 15 Jahren. Zurzeit stecken die Eheleute mitten in einem Riesenprojekt: Im März sollen die Bauarbeiten für einen ganz neuen Bio-Gärtnerhof mit Hofladen, Wohngebäude, Stall und Scheune beginnen - insgesamt werden rund drei Millionen Euro in die Zukunft von Betrieb und Familie investiert.

"Das geht nur, wenn beide an einem Strang ziehen", sagt Uli Overmeyer. Oft wird es 22, 23 Uhr, bis die letzten Buchführungstätigkeiten erledigt sind. Um fünf Uhr morgens stehen die Eheleute bereits wieder gemeinsam im Hofladen, um alles für den neuen Arbeitstag vorzubereiten. "Wir haben uns das ja so ausgesucht", sagt Kerstin Overmeyer. Sie ist froh, dass ihr Mann und sie "nicht in zwei Welten leben, weil der eine zwölf Stunden in Hamburg arbeitet". Aufpassen müsse man allerdings, dass die Gespräche nicht zu einseitig werden: "Es muss auch noch andere Themen geben als die Arbeit", sagt Uli Overmeyer.

"Jeder muss seinen Arbeitsbereich und seine Kompetenzen haben", meint Imke Menke (45). Die gelernte Verlagskauffrau leitet mit ihrem Mann Alexander (45) - er ist Texter, Komponist und Musikproduzent - seit 1998 das Tonstudio in Maschen. "Das Vertrauen zueinander ist die wichtigste Grundlage fürs gemeinsame Arbeiten. Das Wissen: Jeder ist in seinem Bereich gut", ergänzt Ehemann Alexander Menke, der mit Künstlern wie Mary Roos, Roberto Blanco und vielen anderen zusammenarbeitet. Auf der anderen Seite sei aber auch Kritik unbedingt vonnöten: "Wie in jedem funktionierenden Unternehmen. Ohne Kritik geht’s nicht voran."

Beide Paare sind dankbar für die Möglichkeit, nicht nur miteinander leben, sondern auch arbeiten zu können: "Es herrscht kein Stillstand, jeder kann sich in der Firma weiterentwickeln", beschreibt Imke Menke, warum sie so zufrieden mit dem Job im Familienunternehmen ist. Vorteilhaft sei, dass man viel direkter zu Entscheidungen kommen kann. "Wir müssen nicht erst 1000 Meetings einberufen."

"Eine spezielle Beratung für Ehepaare gibt es bei uns nicht", sagt Sven Gabriel von der Handelskammer Hamburg. Für Familienbetriebe gebe es aber ansonsten ein vielfältiges Beratungsangebot mit Schwerpunkten wie Finanzierung, Nachfolge und Krisenmanagement. Denn wenn es nicht rund läuft, kann es für Eheleute, die gemeinsam ein Unternehmen führen, doppelt schwer werden: Dann steht häufig nicht nur die private, sondern auch die geschäftliche Existenz auf dem Spiel. Oder, wie Imke Menke es formuliert: "Man sitzt in einem Boot und geht gegebenenfalls gemeinsam unter."

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Goldene Regeln für Unternehmer-Ehepaare

Respekt für den Partner und seinen Teil der Tätigkeit. Akzeptanz nicht nur seiner Stärken, sondern insbesondere auch seiner Schwächen. Klare Grenzziehung: Arbeiten wir gerade oder haben wir Freizeit? Gemeinsame Ziele formulieren: Welchen Beitrag kann jeder leisten? Konkurrenz vermeiden: Entsteht Konkurrenz untereinander, verlieren beide. Anerkennung der Grenzen des anderen und seiner sowie der eigenen Regenerationsbedürfnisse