Schmallenberg-Virus
Todes-Seuche: Viele Lämmer schon verendet
Die ersten Fälle des für Wiederkäuer gefährlichen Schmallenberg-Virus sind bei Schafen im Landkreis Harburg aufgetreten. Mit dem Virus infizierte Lämmer, Zicklein und Kälber kommen mit schweren Missbildungen zur Welt und werden meist schnell von der Krankheit dahingerafft.
Winsen. "In meiner Herde sind 30 missgebildete Lämmer innerhalb einer Woche zur Welt gekommen. Die Tiere haben keine Überlebenschance", sagt Berufsschäfer Wendelin Schmücker aus Borstel. Ein tot geborenes Lamm aus Schmückers Herde wurde vom Kreisveterinäramt zur Untersuchung an das Lebensmittel- und Veterinärinstitut (Laves) nach Oldenburg geschickt. "Der Befund ist positiv", bestätigt der 35-jährige Berufsschäfer. Derzeit suchen Forscher bundesweit fieberhaft nach einem Impfstoff gegen das sogenannte Schmallenberg-Virus, das im vergangenen Jahr erstmals in den Niederlanden aufgetreten war. Für Menschen ist das Virus nicht gefährlich.
Nach Angaben von Kreishaus-Sprecherin Birgit Behrens bestand bei zwei tot geborenen Lämmern und einem Kalb aus dem Landkreis Harburg der Virus-Verdacht. Bei den beiden Lämmern habe eine Untersuchung des Laves in Oldenburg diesen Verdacht bestätigt. "Bei dem Kalb steht das Ergebnis noch aus", sagt Birgit Behrens.
Übertragen wird das Virus wie die Blauzungenkrankheit über kleine Mücken, sogenannte Gnitzen. Die Tragzeit bei Schafen beträgt fünf Monate. Bei Geburten, die jetzt stattfinden, muss die Infektion des Muttertieres also im Sommer 2011 stattgefunden haben. "In anderen Regionen Deutschlands, in denen das Virus viel stärker verbreitet ist, haben Tierärzte beobachtet, dass der Grad der Missbildungen im Laufe der Lammsaison schlimmer wird", weiß Schmücker, der auch Sprecher der niedersächsischen Berufsschäfer ist. Seine Berufskollegen befürchten erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer lebten 2011 im Landkreis Harburg rund 4300 Schafe (dazu zählen auch Heidschnucken) und Ziegen.
