Totschlagprozess

"Ich hatte Angst vor diesem Mann"

Wegen Totschlags muss sich der 43-jährige Hans-Martin Sch. aus Winsen seit gestern vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem damaligen Betreiber einer Kampfsportschule am Hittfelder Kirchweg in Maschen vor, am 24. August 2011 im Eingangsbereich des Studios seinen früheren Geschäftspartner Thomas D. erschossen zu haben. Insgesamt soll Sch. 13 Schüsse aus einer halbautomatischen Pistole abgefeuert haben. Die Waffe im Kaliber Neun-Millimeter hatte er sich illegal beschafft.

Lüneburg/Maschen. Bisher hatte Sch. zu den Vorwürfen geschwiegen. Zum Prozessauftakt wies Verteidiger Hans-Joachim Gerst darauf hin, dass am Tatort eine Stichwaffe mit 8,5 Zentimeter Klingenlänge gefunden wurde, die nach Auswertung aller Spuren offenkundig dem Opfer gehört hatte. Sein Mandant habe in Notwehr gehandelt und werde sich umfassend äußern. Sch. verlas ein 20 Seiten langes Schreiben. Darin schilderte er, dass er von seinem ehemaligen Freund und Partner in einer Sicherheitsfirma bereits vor dem 24. August 2011 mehrfach beschimpft, erniedrigt und mit einem Messer attackiert wurde. "Ich hatte Angst vor diesem Mann. Ich wusste ja, was das für ein Mensch ist und wie er tickt", sagte der Angeklagte. Schließlich habe er oft genug miterlebt, wie Thomas D. andere massiv unter Druck gesetzt hatte. Er sei mehrfach dabei gewesen, wie Thomas D. andere mit Messern oder Schusswaffen bedroht habe, um Forderungen durchzusetzen. In einer Bauchtasche habe D. stets einen verbotenen Teleskop-Totschläger bei sich getragen. D. habe ein ganzes Waffenarsenal besessen. Dazu gehörte auch eine Maschinenpistole aus tschechischer Produktion, die er unter seinem Carport am Horster Mühlenweg in Maschen versteckt hatte.

Aus Angst vor seinem ehemaligen Partner habe er sich die Schusswaffe besorgt, erklärte der erfahrene Kampfsportler. Ihre Geschäftspartnerschaft hatten die Männer Anfang 2011 beendet. Nach Angaben des Angeklagten hatte er zuvor gemeinsam mit Thomas D. den Deutschen Peter R. in Toronto (Kanada) beschützt, der von Geldeintreibern bedroht worden sei. R., der inzwischen auf den Bahamas lebe, habe die Geschäftsbeziehung jedoch beendet, weil er mit Thomas D. nicht mehr klargekommen sei. Er selbst habe von Peter R. jedoch noch einmal 20 000 Euro zur Taufe seiner jüngsten Tochter geschenkt bekommen, sagte der dreifache Vater aus Winsen. Thomas D. habe sich betrogen gefühlt, weil er meinte, dass ihm ein Teil dieses Geldes zustünde. Sein früherer Partner habe ihn deshalb verfolgt.

Aus Angst vor D. habe er mehrmals die Polizei alarmiert. D. sei psychisch gestört und deswegen auch in Behandlung gewesen. Zudem hatte er Nierenkrebs. "Vielleicht hatte er das Gefühl, dass er nichts mehr zu verlieren hat."

Trotz Hausverbots sei D. am 24. August im Kampfsportstudio aufgetaucht. Als D. ihn packen wollte, habe er den Angreifer zunächst mit einem Tritt gegen den Oberkörper abgewehrt. Dann habe D. jedoch hinter sich an den Hosenbund gegriffen. "Ich war sicher, dass er eine Waffe zieht. Da galt: Er oder ich", sagte der Angeklagte. Erst als das Magazin leergefeuert war, habe er registriert, dass er geschossen hatte. Anschließend rief er Polizei und Krankenwagen.

Die Anklage geht davon aus, dass Sch. die Pistole aus dem Hosenbund zog und dem Opfer zunächst ins Knie und dann mehrfach gezielt in den Rücken und seitlich in den Oberkörper schoss. Das Opfer verstarb noch am Tatort.