Harburg vom Feinsten

Die Poesie des Designs

Frau mit vier Söhnen schafft internationale Karriere als Designerin - dies wäre eine passende Schlagzeile für Jutta Werner (43). Nur, dass sie der Architektin, Stylistin und Designerin wohl eher nicht gefallen würde. Denn ihren beruflichen Erfolg unter dem Firmennamen nomad hat sie nicht trotz der Kinder, sondern auch wegen ihrer vier Jungs geschafft. "Ich brauche das Pendeln zwischen beiden Welten", sagt Werner. "Ich bin ein Bewegungsmensch mit Anker."
Jutta Werner

Für den Dedon-Showroom in Antwerpen hat Jutta Werner die Innenarchitektur und Dekoration entworfen.

Hollenstedt.  Weltweit gestaltet Jutta Werner Showrooms, Flagshipstores und Messestände für Firmen wie Dedon, JAB An-stoetz, Rolf Benz, Ligne Roset. Ihre Mission, ihr Antrieb: Sie will die Welt ein wenig schöner machen. Wie eine Nomadin streift sie dafür umher, stets auf der Suche nach Inspiration. Ihre Arbeiten wirken mühelos, schlicht, immer aber überraschend, modern, spannend. Es gelingt ihr, mit einem Raum oder einem Objekt eine ganz bestimmte Stimmung zu erzeugen. Vor allem durch ihren Sinn fürs Detail, der ihre Inszenierungen so einzigartig und deshalb bei den bekannten Interieur-Herstellern so gefragt macht.

Von Zeit zu Zeit findet die Perfektionistin allerdings nicht die passende "Kleinigkeit" für ihr Gestaltungskonzept auf dem Markt. Dann entwirft sie das fehlende Detail kurzerhand selbst. Auf diese Weise ist inzwischen eine eigene Kollektion entstanden, die unter dem Label Saluki auch zum Verkauf angeboten wird. Objekte wie Leuchten, Vasen oder Schalen, die Werner in kleinen limitierten Auflagen herstellt, kosten zwischen 250 und 800 Euro. Darunter sind die Kamaka-Drahtkörbe, bis zu 2,30 Meter hoch. "Die habe ich für einen Messestand der Firma Rolf Benz entwickelt", sagt die Designerin, die in Hamburg Architektur studierte. "Jedes Drahtgespinst hat seine eigene Art. Besonders beeindruckend sehen die Objekte aus, wenn man sie beleuchtet." Große Resonanz erhielt sie auch auf die Vasen und Schalen der Reihe Nubi, die Werner aus ungesponnener Merinowolle zaubert, die sie mit den Fingern um die aus Glasfaser gebauten Formen häkelt.

Gerade ist Jutta Werner mit ihrem Büro, das sie seit 1992 betreibt, von Kakenstorf nach Hollenstedt umgezogen. In der Nähe, in dem kleinen Hollenstedter Ortsteil Appel, wohnt sie mit ihren vier Jungs und Ehemann Christian Werner, auch er Designer. Die fünf sind der Anker, von dem Werner sprach. Ihr Hafen, in den sie immer wieder zurückkommt. "Ich liebe die Natur", sagt sie. Hier sammelt sie Ideen, lässt sich inspirieren. Und durch Beobachtung auf ihren Reisen. "Ich könnte stundenlang in einem Café sitzen und nur aufsaugen", sagt die Frau mit den warmen braunen Augen. Und die Ideen sind ihr noch nie ausgegangen. Ihr Schaffen wurde sogar preisgekrönt. So gewann sie den Wettbewerb für das Interieurkonzept des "designxports", ein Zentrum für Design, das im Magdeburger Hafen in der Hafencity entstehen wird.

Vor wenigen Monaten hat Werner ein Internet-Apartment kreiert, einen virtuellen Raum, in dem sie sich selbst präsentiert. "Ein Raum für Entdecker", wie sie sagt. Ein Fenster in ihre Welt.