Helms-Museum
Hier wird Geschichte lebendig
Es sieht aus wie ein Kringel. Sein Material: Lehm und Steinchen. Das Alter: 1200 Jahre. Kreisarchäologe Jochen Brandt zeigt ein Webgewicht, mit dessen Hilfe die Siedler westlich von Daerstorf im Mittelalter ihre Kleidung hergestellt haben. Dieses und viele weitere Fundstücke sind ab Donnerstag, 30. August, in der Wanderausstellung "Die Lebenden & die Toten" zu bestaunen: Das Helms-Museum gibt damit einen Zwischenstand, wie eine sächsische Dorfgemeinschaft damals gewirkt hat.
Neu Wulmstorf. Im Zuge von notwendigen Ausgrabungen zur Erschließung der Flächen zwischen Daerstorf und Elstorf haben Archäologen zwischen 1989 und 2006 die Siedlung entdeckt. Circa 100 Meter südlich davon wird nun seit sechs Jahren der dazugehörige Friedhof freigegraben. "Es ist außergewöhnlich, beides vorzufinden", erklärt Brandt. "Genau das macht es so interessant. Denn diese Ausgrabung gibt auch für andere Orte Aufschluss darüber, wie Menschen damals gelebt haben."
Eine Keramikschale, die im Brunnen der Siedlung gefunden wurde, stammt von den Slawen. "Das ist ungewöhnlich", so Brandt. Denn Slawen und Sachsen waren verfeindet. "War es ein Gastgeschenk? Gab es gar Handel zwischen den Stämmen? Besuchte ein Wanderhandwerker die Siedlung?" Noch kennt Brandt die Antwort nicht. Doch je mehr Siedlung und Friedhof preisgeben, desto detaillierter lässt sich die Vergangenheit rekonstruieren.
"In einer Siedlung wie dieser, aus der die Menschen flüchten mussten, bleibt der Abfall zurück. Gräber dagegen offenbaren Spuren, die Menschen vor 1200 Jahren bewusst hinterlassen haben", erzählt Brandt.
Wie etwa Perlen: "Aber auch wenn die Frauen damals gern teuren Schmuck trugen: Hier lebten, den anderen Funden nach zu urteilen, einfache bäuerliche Menschen."
Oder ein Schwert, das in einem der bisher circa 350 freigeschaufelten Grabstellen auftauchte: "Hier muss ein besonderer Krieger beerdigt worden sein. Denn das Schwert ist kein alltägliches", sagt Brandt weiter.
Bislang haben sich die Archäologen von Daerstorf aus rund 130 Meter westlich Richtung Elstorf vorangearbeitet. "Und ein Ende des Friedhofs ist noch nicht in Sicht", so Brandt. Texttafeln und jede Menge Fundstücke: Die Besucher erhalten einen Einblick über die Lebenden und die Toten im Mittelalter.
