Lesen statt klönen

Die Bücherzelle

"Bring eins, nimm eins." Das Prinzip hat sich seit mehr als zwei Jahren in Maschen und Bendestorf bewährt - bei den "Mini-Büchereien", die in Maschen in einer ausrangierten Telefonzelle und in Bendestorf im Buswartehäuschen untergebracht sind. Damit immer frischer Lesestoff vorrätig ist, soll jeder, der ein Buch entnimmt, auch ein ausgelesenes zurücklassen.
Bücherzelle

Lesen, wo früher telefoniert wurde: HAN-Mitarbeiterin Louisa Wagner testet das Angebot der Maschener Bücherzelle.

Buchholz/Maschen/Bendestorf. Die SPD Buchholz wünscht sich auch für die Stadt Telefonzellenbüchereien und hat einen Antrag gestellt. "Wir wollen damit zum Lesen ermutigen, insbesondere Kinder", sagt Antragstellerin Gudrun Eschment-Reichert.

Das Lesevergnügen für jedermann ist preisgünstig zu haben. "Ausrangierte Telefonzellen gibt es ab 600 Euro", sagt SPD-Fraktionschef Wolfgang Niesler. In Bendestorf hat die Gemeinde bei einer Tischlerei eine Vitrine anfertigen lassen - für rund 750 Euro. Die Maschener "Bücherzelle" hat die Gemeinde kostenlos von der Telekom bekommen. "Die Gemeinde hat für den Sockel, die Regale und die Bemalung gesorgt", sagt Initiatorin Angelika Tumuschat-Bruhn (SPD), Ortsbürgermeisterin in Maschen. Die Maschener "Bücherzelle" gibt es seit Herbst 2009, die Bendestorfer Bibliothek im Bushäuschen seit Ende 2010. Und offensichtlich wird ordentlich damit umgegangen. "Zwei Silvester haben die Bücher schon überlebt", sagt Julia Reese von der Gemeinde Bendestorf. Andreas Schmidt, Seevetaler Gemeindesprecher, weiß nur von einem einzigen Vandalismusfall kurz nach der "Eröffnung". Die Maschener Bücherzelle wird von sechs Paten betreut, die die Tür abends ab 18 Uhr mit einem Vorhängeschloss sichern. Auch am Wochenende ist geöffnet. Zwei der Paten sind Mitarbeiter der Gemeindebücherei. Das Patenprinzip und der Standort sind Angelika Tumuschat-Bruhn zufolge zwei wichtige Faktoren, um die Langlebigkeit der "Bücherzelle" zu sichern: "Es ist wichtig, dass der Standort beleuchtet und belebt ist, damit möglichst viele ein Auge darauf haben." Für Buchholz kann sich Gudrun Eschment-Reichert einen Standort in der Fußgängerzone vorstellen, da diese sowieso mit Fertigstellung der Buchholz-Galerie umgestaltet werden soll. "Wir denken aber auch an Büchertelefonzellen für die Ortschaften im Sinne einer ganz kleinen Bücherei-Außenstelle."

Trotz des begrenzten Platzes ist das Angebot an Lesestoff groß: In Maschen sind rund 130, in Bendestorf rund 150 Bücher vorrätig. Zwar keine aktuellen Bestseller, dafür aber "Klassiker" wie "Der Medicus" oder auch ein Asterix-Comic. "Wir misten ab und zu aus", sagt Julia Reese. Denn als "Altpapiertonne", um die alten Schinken loszuwerden, sind die Minibüchereien nicht gedacht. Vor allem dank der Paten sind Bücher und "Gehäuse" in gutem Zustand: "Eine echte Erfolgsgeschichte", findet Gemeindesprecher Schmidt.