Türsteher verprügelt

Nächster Akt der Gewalt: Türsteher verprügelt

Harburg kommt nicht zur Ruhe: In der Nacht zu Sonntag ist ein 33-jähriger Türsteher vor der Cocktailbar "Cool" an der Kleinen Gasse von drei Männern schwer zusammengeschlagen worden. Erst das beherzte Eingreifen von mehreren Gästen des Lokals verhinderte Schlimmeres.

Harburg. Der Türsteher hatte nach Angaben der Polizei Glück, denn sein gesundheitlicher Zustand war sogar eine Zeit lang lebensbedrohlich. Er erlitt durch die Schläge einen Schädelbruch, Hirnblutungen und eine Nasenbeinfraktur.

Zu der Eskalation war es gegen 3 Uhr nachts gekommen: Der Sicherheitsmann verrichtete seinen Dienst, als drei Männer - vermutlich zwei Afrikaner und ein Spanier - in den Harburger Szeneladen eintreten wollten. Sie hatten sich allerdings selbst alkoholische Getränke mitgebracht, deshalb wies der 33-Jährige sie zurück. Daraufhin wurden die beiden Afrikaner gewalttätig, boxten dem 33-Jährigen ins Gesicht. Besucher des "Cool" kamen dem Geschlagenen zu Hilfe, bevor die Täter auf den am Boden liegenden Mann weiter eintreten konnten. Die drei Männer rannten davon.

Der Job als Türsteher sei definitiv gefährlicher geworden, sagt Thorsten Kulke. Der Bielefelder wird von der Event-agentur von Heiko Hornbacher häufiger für den Sicherheitsdienst beauftragt, etwa im Veritas-Beachclub im Binnenhafen, beim Außenmühlenfest oder beim Rathausfest. "Wir wissen um das Gefahrenpotenzial in Harburg", sagt der 39-Jährige.

Unverständnis erntet bei Kulke, dass der 33-jährige Kollege, den er übrigens nicht kennt, allein vor der Cocktailbar stand. "Normalerweise sind wir immer mit zehn bis 20 Leuten im Einsatz." Mit mehreren Kräften könnte man eher dazwischengehen und deeskalierend wirken.

In besagtem Fall von Sonntagnacht hätte Thorsten Kulke mindestens zwei Sicherheitsleute vor der Bar empfohlen - auch weil er weiß, dass die Hemmschwelle bei so manchem Nachtschwärmer gesunken ist. Faktoren dafür seien nicht nur Alkohol und Drogen, sondern ferner, dass mittlerweile auch Waffen zum abendlichen Ausgehen dazugehörten. "Jeder Zweite hat inzwischen ein Messer dabei", sagt Kulke, der auch von Schlagstöcken und Schlagringen weiß. Deshalb arbeite ungefähr die Hälfte der Sicherheitskräfte nun mit schuss- und stichsicheren Westen.

Trotz des bedauerlichen Vorfalls in Harburg und der gesunkenen Hemmschwelle bei den Gästen - Thorsten Kulke glaubt, dass verbal mehr möglich ist als körperlich. "Man muss mit den Jungs sprechen, und zwar vernünftig." Ein gesunder Anteil Angst sei dabei "ein guter Berater", doch müsse man diese überwinden und "mit Ehrgeiz auf die Leute zugehen".

Bei den Tätern vom "Cool" soll der Spanier - einer der drei Männer - nicht zugeschlagen haben. Die beiden Haupttäter sollen 20 bis 25 Jahre alt und schlank sein. Einer der Schläger hatte sehr kurze Haare und war mit heller Hose und schwarzem Hemd bekleidet. Sein Komplize (vermutlicher Vorname Steve) trug eine schwarze Baggy-Hose und ein grau-weißes Polo-Shirt.

Infobox

Tatort "Cool Harburg"

Die "20-Cent-Killer" vom Seeveplatz, die Tunnelschläger vom Karnapp, der an der Bremer Straße erstochene Pascal E., die Straßenschlachten in Neuwiedenthal - die Gewalttaten in Harburg haben sich in den vergangenen Monaten gehäuft. Nun erwischte es einen 33-jährigen Türsteher vor der Szenebar "Cool Harburg". Dabei gilt die Cocktailbar in einer Seitengasse der Lämmertwiete polizeilich als eher unauffälliger Standort. Dort habe es zuvor keine derartigen Ereignisse gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Das Publikum ist gemischt, und Eintritt muss der Partygast ebenfalls nicht bezahlen.