Sex-Täter
Wütende Nachbarn verjagen Sex-Täter aus Wilstorf
Mit Protestschildern in der Hand und wütenden Parolen auf den Lippen haben Nachbarn gestern den verurteilten Vergewaltiger Hans-Peter W. aus Wilstorf vertrieben: Für wie lange, blieb bis gestern Abend ungeklärt.
Wilstorf. Der Sex-Täter, der nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung im Freiburger Gefängnis nach Hamburg gezogen war (die HAN berichteten), sorgt weiter für heftige Diskussionen. Für wie gefährlich Experten den 53-Jährigen halten, blieb auch gestern unklar. "Wir warten auf das Gutachten unserer Spezialisten", erklärte die Sprecherin der Justizbehörde, Pia Kohorst. Wann die Expertise vorliegen wird, könne sie allerdings nicht sagen. Von der Einschätzung der Gutachter hängt es ab, welche Auflagen folgen. Der Sexualstraftäter saß fast 30 Jahre in Baden-Württemberg hinter Gittern. Seit Mitte Juli ist er auf freiem Fuß. Der Mann war zunächst im niedersächsischen Bad Pyrmont untergebracht, zog aber nach großem öffentlichen Druck vor gut einer Woche nach Hamburg: zunächst in ein Männerwohnheim nördlich der Elbe und dann in die Anzengruberstraße nach Wilstorf. Dort überwachte ihn die Polizei rund um die Uhr. Acht Polizisten in täglich drei Schichten, bei geschätzten Kosten von rund 20 000 Euro pro Tag.
Nach Ansicht des Kriminalpsychologen Rudolf Egg wird die Gefährlichkeit von Schwerverbrechern, die aus der Sicherungsverwahrung freikommen, möglicherweise überschätzt. "Denn es handelt sich ja nicht um junge, kräftige Männer, sondern zum Teil um doch schon sehr betagte." Der Vorsitzende des Harburger Innenausschusses, Ernst Hornung (CDU), übte herbe Kritik an der jüngsten Wohnortwahl: "So etwas ist vollkommen unzumutbar und eine Frechheit."
