HVV-Tipp
Der Ort fürs Fernweh
Wer an Fernweh leidet ist hier richtig: Direkt neben der Startbahn 33 des Hamburger Flughafens kann man den startenden Flugzeugen hinterher schauen, sich auf den Urlaub freuen oder einfach von der Ferne träumen. Und versuchen, nachzuempfinden, was der Liedermacher Reinhard Mey einst interpretiert hat.
Hamburg. Dieser Platz zum Träumen - im Sinne von Meys Worten "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein . . . " - befindet sich am Ende der Straße Holtkoppel in Fuhlsbüttel. Auf einer kleinen Anhöhe gibt es hier einen Beobachtungsposten, der - anders als die Aussichtsterrasse oder das Café Himmelsschreiber neben dem Geschäftsfliegerzentrum am Weg beim Jäger - den unverbauten Blick ohne Zaun und Glasscheiben auf die startenden Flugzeuge freigibt.
Wer eine Kamera mit Teleobjektiv dabei hat, bleibt hier nicht lang allein und kommt sofort mit anderen ins Gespräch. Hier sind "Gelegenheitsgucker", Eltern mit Kindern, Großeltern mit Enkeln, Motorradfahrer, Radfahrer, Abholer, die auf ein Flugzeug warten, das erst in einer Stunde landet. Und die "Planespotter", Flugzeugverrückte, die Fotos von Airbussen, Boeings und Bombardiers sammeln wie andere Menschen Briefmarken. Hier bekommen sie reichlich "Futter" in optimaler Entfernung: Denn die am meisten vertretenen Typen - die Airbus A320-Familie und das US-Pendant Boeing 737 - heben genau in Augenhöhe der Beobachter ab. Manche studieren sogar den Flugplan, um auf besondere Flugzeuge zu warten: Eines der größten, das täglich nach Fuhlsbüttel kommt, ist die Boeing 777 der Fluggesellschaft Emirates. Doch es geht noch größer: Gerade am Tag, an dem dieser Bericht entstanden ist, kommt ein funkelnagelneuer Airbus A380 der Lufthansa während eines Testflugs vorbei. Er hat noch das französische Kennzeichen, da er in Toulouse montiert wurde und folglich auch noch nicht an den Kunden übergeben worden ist. Am Bug steht "Peking" - dorthin wird er später im Liniendienst fliegen. Aber solche Gäste sind die Ausnahme.
Inzwischen dominieren die rot-weißen Maschinen von Air Berlin, und natürlich die Kranich-Flotte der Lufthansa. Im Heer der Billigflieger aus ganz Europa gibt es aber immer wieder neue Airlines zu entdecken, und auch die alteingesessenen nutzen ihre Maschinen manchmal als Werbe- oder Aktionsfläche. So finden sich auf einem Condor-Airbus zurzeit die "Peanuts", die ihren 60. Geburtstag feiern und eine Kinderhilfsorganisation unterstützen.
Da die Starts und Landungen in festen Zeitfenstern, den "Slots", geregelt sind, gibt es zwischendurch auch immer Pausen, in denen keine Starts zu sehen sind, sondern die Landungen auf der kreuzenden Startbahn 23 erfolgen - eine Gelegenheit zur Einkehr: Direkt am Aussichtspunkt befindet sich ein Bistro, das passenderweise "Coffee to Fly" heißt und außer Kaffee auch Kaltgetränke, Eis, Kuchen und Würstchen zu zivilen Preisen anbietet. Und wer noch nicht so firm ist in der Erkennung von Flugzeugtypen, darf gern in dem Bildband "1000 Flugzeuge" nachschlagen, der hier für Gäste ausliegt.
Foto-Tipp: Bei Schönwetter lieber vormittags kommen, denn ab Nachmittag gibt es Gegenlicht. Das wiederum rentiert sich gegen Abend, wenn sich die startenden Flugzeuge gegen den Sonnenuntergang abheben. Und spätestens dann kommt uns wieder Reinhard Mey in den Sinn: "Ich wär’ gern mitgeflogen!"
