HVV-Tipp

Idyll voller Kunst und Kultur

Wie ein roter Faden führen Löwenspuren über das Pflaster der alten Domstadt, vorbei am leuchtend gelben Rathaus, zur Domhalbinsel, dann weiter zum Ernst Barlach- und zum A. Paul Weber-Museum, kurz: einmal rund um das malerische Ratzeburg.

Ratzeburg. Heinrich der Löwe war es, der im Jahr 1165 den Grundstein der heutigen Kreisstadt im Herzogtum Lauenburg legte, indem er den Ratzeburger Dom erbauen ließ. Zwar bot die kleine Domhalbinsel dem Gotteshaus keinen Platz für zwei, sondern nur für einen Turm; dieser aber wurde von Beginn an mit zwei Wetterfahnen ausgestattet, so dass der Ort als Bischofssitz von fernher erkennbar war.

Ratzeburg eignet sich ideal für einen Tagesausflug im Sommer. In der Inselstadt zwischen Küchensee, Domsee und Ratzeburger See ist es auch an heißen Tagen angenehm frisch, und es gibt allerlei Gelegenheiten zum Wassersport: Für Surfer oder Menschen, die auf einem Wasserfahrrad, dem so genannten Hydro-Birke, über die Wellen reiten wollen, bieten die Seen ebenso viel Spaß wie für Ruderer, Segler und Kanuten.

In der Saison wird Ratzeburg zur Segeltuchleuchtenden Sail-City. Ruder-Regatten, Kanuten-Wettbewerbe laufen regelmäßig, und sogar die deutschen Olympia-Ruderer trainieren im Bundesleistungszentrum und beim Ratzeburger Ruderklub. Wer sich lieber mit dem Dampfer fahren lässt, kann kleine oder große Seenrundfahrten unternehmen oder einen ganzen Tag lang über das verwunschene Flüsschen Wakenitz bis nach Lübeck und wieder zurück fahren. Bei schlechtem Wetter bietet Ratzeburg Sehenswertes für mehrere Tage.

Nur einen Steinwurf vom Dom entfernt liegt das Kreismuseum mit Abteilungen für Landesgeschichte, Spielzeug, einer Fotothek und einer alten Apotheke. Besonders beliebt ist in einem Seitenflügel die 50er-Jahre-Ausstellung mit Petticoats, BMW-Isetta, Nierentisch und Wurlitzer-Musikbox.

Das benachbarte Weber-Museum beherbergt eine einzigartige Sammlung mit etwa 300 Werken des kritisch-humoristischen Zeichners und Lithografen A. Paul Weber. Der Zeichner lebte bis zu seinem Tod 1980 nahe Ratzeburg im Kreis Herzogtum Lauenburg. Einen Besuch lohnen schon die lustigen Tierbilder, die Buchillustrationen zu Münchhausen, Reineke Fuchs und Till Eulenspiegel. Besonderer Schwerpunkt der Sammlung sind aber die kritischen Arbeiten, in denen Weber Missstände in Gesellschaft und Politik anprangert, Krieg und Gewalt verurteilt und vor der Zerstörung unserer Umwelt warnt.

Auch einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer, Ernst Barlach, hat in seiner Jugendzeit mehrere Jahre in Ratzeburg gelebt. "Altes Vaterhaus" nannte Barlach sein Elternhaus neben der St.-Petri-Kirche. Im heutigen Barlach-Museum sind wertvolle Bronzen, Bilderzyklen und ein Querschnitt aus seinen literarischen Werken ausgestellt.

Welfen-Herzog Heinrich der Löwe begegnet uns wieder vor dem Dom - in Gestalt eines mächtigen Bronze-Löwen, der das Dom-Ensemble mit dem Kloster bewacht. 350 Jahre lang, ab 1154, residierte hier der Orden der Prämonstratenser-Mönche. Im Kreuzgang sind noch gut erhaltene Wandmalereien der Mönche zu sehen, die Heinrich der Löwe von Magdeburg nach Ratzeburg berufen hatte.

Heute werden die voll intakten Klosterzellen als Gästehaus des Pastoralkollegs genutzt. Diese Fortbildungs-Einrichtung der Landeskirchen von Nordelbien und Mecklenburg-Vorpommern hat ihren Sitz ebenfalls auf dem Domhof. Ein Hingucker ist die Bronze-Plastik "Bettler" von Ernst Barlach im Hinterhof.

Um den Dom für sich zu entdecken, gibt es zahlreiche Gelegenheiten. In der Sommerzeit werden einmal im Monat nächtliche Domführungen angeboten, manchmal mit gregorianischen Gesängen. Nächster Termin ist am Sonnabend, 5. September, um 22 Uhr. In den Sommermonaten gibt es fast jeden Sonntagabend Konzerte im Dom. Drei Orgeln, die Ratzeburger Domfinken, ein renommierter Domchor und ein großer Stamm regelmäßiger Gastmusiker füllen den ältesten Backstein-Dom Norddeutschlands mit Klang.

Infobox

So kommen Sie hin

Für die Fahrt von Harburg nach Ratzeburg empfehlen die HAN die Bahnstrecke über Lüneburg. Sie beginnt stündlich auf 46 in Harburg, auf 37 beginnt die Weiterfahrt in Lüneburg Richtung Lübeck (R21). Diese Fahrt dauert zwar rund 20 Minuten länger als die über den Hauptbahnhof, dafür muss man aber nur einmal umsteigen. Außerdem ist die Fahrt billiger. Die Einzelfahrt kostet 5,90 Euro. Für die Rückfahrt ab Ratzeburg (jeweils auf halb) sollte man dann doch die Strecke über den Hauptbahnhof wählen, da es in Lüneburg zu einem fast einstündigen Aufenthalt käme und die Fahrt dadurch unnötig verlängert würde. Bei dieser Variante muss man in Büchen in den R20 Richtung Hauptbahnhof umsteigen und dort in die S-Bahn. Fahrtkosten pro Einzelperson: 7, 40 Euro.

Multimedia