Gunter Gabriel

"Es ist eine große Verantwortung!"

Seit zwölf Jahren lebt Gunter Gabriel auf einem Hausboot im Harburger Binnenhafen. Aktuell hat es ihn allerdings nach Berlin verschlagen. Aus gutem Grund: Denn auf der Bühne des Renaissance-Theaters spielt er seit einer Woche in dem Theaterstück "Hello, I’m Johnny Cash" die Hauptrolle.

Harburg. Bei einer kurzen Stippvisite auf seiner schwimmenden Bleibe gegenüber des Harburger Beach-Clubs sprachen die HAN mit dem 68-Jährigen. Über die Bürde, das eigene große Idol darzustellen, seine Lieblings-Platten und warum Cash die geeignete Einstiegsdroge für all diejenigen ist, die mit Country bisher noch nichts am Hut haben.

 

HAN: Herr Gabriel, wie fühlt es sich an, als das eigene Vorbild auf der Bühne zu stehen?

Gunter Gabriel: Ich habe schon eine große Erleichterung verspürt, dass dieses Theaterstück so gut angenommen wurde. Die erste Woche war komplett ausverkauft, ebenso wie die Vorstellungen der kommenden Tage. Es ist eine große Verantwortung, diese Rolle zu spielen. Zumal ich eigentlich kein Schauspieler bin, sondern Sänger.

 

Sie haben Cash mehrfach getroffen. Vielfach zerbricht dabei der Mythos eines Stars. Wie war es bei Ihnen?

Ich bin nicht so ein Idolhascher wie die anderen. Ich habe ihn immer aus dem Blick des Songschreibers gesehen. Und da war er mein großes Vorbild, obwohl ich versucht habe, ihn nie direkt zu imitieren. Als Privatmann interessierte er mich eher wenig, obwohl ich gesehen habe, dass er Rosen züchtete und Wasserski fährt. Aber mich faszinierte in erster Linie immer sein Talent als Songwriter. Er war ein American Cowboy, ich bin ein German Cowboy.

 

Warum ist Cashs Musik auch heute noch aktuell?

Er war immer auch ein sozialkritischer Mensch - ein politischer Songwriter. Er hat über die Leute geschrieben die auf der Schattenseite des Lebens standen. Aber nicht mit Jammern: Er hat Hoffnung gegen. Warum sollte das nicht mehr aktuell sein?

 

Cash hat seit den 1950ern sechs Jahrzehnte lang Musik veröffentlicht. Haben sie eine Lieblingszeit in seinem Werk?

Das kann ich so nicht sagen. Die letzten Aufnahmen, die erst nach seinem Tod (Anmerkung der Redaktion: Cash starb 2003) veröffentlicht wurden - "Ain’t No Grave" zum Beispiel - die kann ich mir kaum anhören: Da wird man depressiv. Ich bin ein Liebhaber seiner alten Songs aus den 50ern und 60ern: der richtigen Country-&-Western-Nummern. Ein unerreichter Meilenstein ist natürlich das Album "At St. Quentin" von 1969. Die Stimmung bei diesem Auftritt im Gefängnis ist unglaublich und fantastisch auf Platte festgehalten. Ich frage mich heute noch, wie konnten die das so gut hinkriegen. Übrigens: Die dortige Aufnahme des Songs "Wanted Man" hat mich inspiriert, mein erstes Lied zu schreiben. Bei mir hieß es nur: "Ich werd’ gesucht in Bremerhaven."

 

Welche Parallelen gibt es zwischen ihrem Leben auf einem Hausboot in Harburg und Cashs Leben?

Wir haben beide ein im Kern einfaches Leben geführt. Er hat sich ja immer in kleine Hütten verzogen, um dort seine Lieder zu schreiben. Das machen viele Künstler, dass sie sich in das einfache Leben zurückziehen. Man braucht nicht viel zum Leben. Ich wohne seit zwölf Jahren auf dem Hausboot und habe mich noch nie so ausgeglichen gefühlt.

 

Was ist die geeignete "Einstiegsdroge" für alle, die sich noch nicht mit Country und Cash beschäftigt haben?

Man kann ohne Probleme mit einer "Best Of" von Cash anfangen. Da sind dann meist die ganzen alten Klassiker drauf. Die Jüngeren sollten sich die "American Recordings", seine Aufnahmen aus den 90ern, reinziehen. Ein guter Einstieg ist natürlich auch unser Musical in Berlin. Da erleben wir im Moment viele Zuschauer, die vorher nicht unbedingt Johnny-Cash-Fans sind. Nach der Vorstellung kommen sie dann raus und sind es. Das ist natürlich super.

Gunter Gabriel

Renaissance-Theater

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Die Vorstellungen

Noch bis zum 21. September steht Gunter Gabriel fast täglich auf der Bühne des Renaissance-Theaters - im Herzen Berlins, unweit der Straße des 17. Juni. Karten gibt es entweder über die Ticket-Hotline des Renaissance-Theaters unter Telefon 0 30/3 12 42 02 oder per E-Mail: tickets@renaissance-theater.de

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