Fliegerbombe
Blindgänger lauern unter Harburg
Jahrzehntelang parkten über der Bombe Theaterbesucher, Kirchgänger und die Mitarbeiter des Harburger Rathauses. Der Fund von gestern macht deutlich, dass die Altlasten des Zweiten Weltkriegs noch immer die Stadt teilweise lahmlegen können. Viele Harburger stellen sich die Frage: Wie oft noch?
Harburg. Die Schätzungen gehen zwar auseinander: Aber es wird vermutet, dass die Alliierten während des zweiten Weltkriegs - hauptsächlich bei der "Operation Gomorrha" im Sommer 1943 - rund 100 000 Fliegerbomben über Hamburg abgeworfen haben. Rund 3000 werden, unter anderem durch die Auswertung von damals erstellten Luftbildern, noch in der Erde der Hansestadt vermutet.
Die Menschen im Hamburger Süden müssen in kommenden Monaten und Jahren vermutlich noch häufiger mit Sperrungen und Evakuierungen rechnen: Denn Wilhelmsburg, das Hafengebiet und auch die Harburger Innenstadt gehörten zu den Hauptzielen der Fliegerangriffe. Und hier stehen in den kommenden Jahren reichlich Erdbewegungen an: Auf der Schlossinsel im Binnenhafen entsteht ein komplettes neues Wohngebiet, die Elbinsel wird im Zuge der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenschau - beide 2013 - in weiten Teilen umgepflügt und hinter dem Rathaus entsteht ein gigantischer Verwaltungskomplex.
Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg insgesamt 164 Bomben entschärft oder kontrolliert gesprengt. Dazu kamen mehr als 517 kleinere Kampfmittel wie Granaten und Minen. Auf den Tag genau 71 Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen - dem Beginn des zweiten Weltkriegs - wurde gestern in Harburg die bisher letzte Fliegerbombe dieses Jahres ans Tageslicht gebracht. Einsatzkräfte hatten die amerikanische Bombe bei Sondierungsarbeiten entdeckt. Unter anderem auf dem innenstadtnahen einstigen Parkplatz soll in den nächsten Jahren das Rathausforum entstehen: ein Zusammenschluss aller Behörden mit Publikumsverkehr. Unter dem Gebäude, das neben der ehemaligen Polizeiwache entsteht, wird für eine Tiefgarage gegraben. 1,80 Meter unter der Erdoberfläche lauerte der 453 Kilo schwere Blindgänger. Die Frage, ob noch weitere Bomben unter dem ehemaligen Behördenparkplatz vermutet werden, konnte Sprengmeister Burkhard Mantsch nicht beantworten: "Das weiß man nie."
