Schützenverein
Kommentar: Kein Herz für Schützen?
Es war einmal vor langer, langer Zeit . . . Vor 125 Jahren regierte in Deutschland Kaiser Wilhelm I. Sein Reichskanzler Otto von Bismarck betrieb ein bisschen Kolonialpolitik (unter anderem hatte er es auf die Marschall-Inseln und Neuguinea abgesehen), und in Wilstorf gründete man einen Schützenverein.
Seither ist viel Zeit vergangen. Kaiser Wilhelm und seine Erben sind weg - und nur wenige vermissen sie. Die Kolonien sind auch weg - die werden vielleicht sogar von ein paar mehr Menschen vermisst. Der Schützenverein Wilstorf ist noch da, doch niemand weiß, wie lange noch. Werden wir ihn vermissen?
Die Frage ist berechtigt, schließlich gibt es nur wenige, die sich für seine Weiterexistenz einsetzen. Wie kommt es, dass Fußballvereine kaum Schwierigkeiten haben, einen solventen Sponsor zu finden - und Schützenvereine kollektiv den Hungertod sterben?
Ist Kaiser Wilhelm Schuld? Monarchie, Kolonien, Sklaverei - 1885 war politisch ziemlich inkorrekt. Wollen wir deshalb mit nichts zu tun haben, was aus dieser Zeit stammt? Das wäre aber unfair den Schützenvereinen gegenüber, denn 1885 wurde auch das erste Motorrad gebaut, die erste Bausparkasse Deutschlands gegründet und die gesetzliche Unfallversicherung trat in Kraft. Da hätten die Schützen doch wohl auch noch eine Chance verdient!
