Schützenverein Wilstorf
Schützenverein vor dem Aus
125 Jahre Wilstorfer Schützenverein - diesen Festakt wollen die 120 Schützenbrüder vom Freudenthalweg eigentlich an diesem Sonntag feierlich begehen. Zünftig hatte es werden sollen, mit Vogelschießen, Festmahl und Empfang beim König. Doch nun muss der Vorstand kräftig zurückrudern: Das Kasse ist leer - die Bewirtung seiner Gäste kann sich der Verein nicht leisten.
Wilstorf. "Das Vogelschießen findet an diesem Wochenende nur in kleinem Kreis statt. Wir bleiben unter uns Wilstorfern, für alles andere haben wir kein Geld", sagt der Interimsvorsitzende Hansjürgen Schulz. Vertreter der Schützenverbände und andere Gäste, die zur Ehrung des Traditionsvereins zum Freudenthalweg kommen wollten, wurden wieder aus- oder gar nicht erst eingeladen. Schulz führt die Geschäfte der Wilstorfer kommissarisch, seit die beiden ehemaligen Vorsitzenden Jürgen Westphal und Jörg Otto am 24. August ihre Ämter niederlegten. Sie waren mit ihren Vorschlägen zur Entspannung der finanziellen Situation des Vereins auf massiven Widerstand gestoßen. Sogar von Geldveruntreuung sei die Rede gewesen.
"Unsere Mitgliedsbeiträge werden schon von den Fixkosten, also Pacht, Strom, Gas und Versicherungen nahezu aufgefressen", erklärt Westphal. Hinzu komme, dass sich kein Restaurant lange im Vereinshaus halten könne, hier fehlten wichtige Einnahmen. "Von der Politik können wir auch keine Hilfe erwarten - der Schießsport wird kaum noch gefördert", so der Ex-Vorstand. Eine laut Westphal notwendige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von 120 auf 220 Euro jährlich wurde von den Schützen abgeschmettert. "Wäre ich noch Vorsitzender, würde ich zum Insolvenzgericht gehen", beschreibt Westphal die heikle Lage. Er hofft, dass seinem Verein nicht das gleiche Schicksal droht wie den Langenbeker Schützen, die sich (wie berichtet) zum Ende des Jahres eine neue Schießgemeinschaft suchen müssen.
Eckhard Mißfeld von der Harburger Schützengilde sieht viele Schützenvereine von Mitgliederschwund und fehlenden Einnahmen während der Feste bedroht. Doch manche Probleme seien auch hausgemacht: "Die Vereine, die früher gut verdient haben, haben auch gut gelebt. Es ist immer besser, etwas auf der hohen Kante zu haben."
Wie und ob es mit dem Wilstorfer Schützenverein weitergehen wird, kann Hansjürgen Schulz noch nicht sagen: "Ich muss mir erst einen Überblick verschaffen."
