Kinderheim

Wir wollen keinen Unruheherd!

Im Wald von Hausbruch droht dicke Luft: Denn die Pläne, in der beschaulichen Sackgasse ein Kinderheim zu eröffnen, haben die Anwohner auf den Plan gerufen. Sie befürchten eine unzumutbare "Beunruhigung und Verunsicherung des Wohnumfelds", wie es in einem Brief an das Bezirksamt heißt.

Hausbruch. Wie in einem Handzettel, den die Organisation verteilt hat, zu entnehmen ist, sollen in der neuen Einrichtung am Bredengrund bis zu zehn Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren aufgenommen werden. Es sind Kinder, die von den Hamburger Jugendämtern aus unterschiedlichen Gründen von ihren Eltern getrennt wurden. Diese sogenannte Inobhutnahme erfolgt unter anderem, wenn Gewalt, Missbrauch, gefährlicher Drogenkonsum oder Verwahrlosung in der Familie aufgetreten sind.

"Wenn sich die familiären Verhältnisse stabilisiert haben, gehen die Kinder zu ihren Eltern zurück", teilt die Organisation mit: Allerdings werde es vielleicht auch Kinder geben, "für die wir nicht nur ein Zuhause auf Zeit sind, sondern eine neue Heimat". So heißt es auf dem Handzettel der Geschäftsführer Toni Dix und Heidi Steffen: "Wir sind völlig im Unklaren gelassen worden, was in unserer Straße passiert", sagt Eckard Mißfeld, einer der Anwohner und Verfasser des Beschwerde-Briefs. Er sieht einen der Fehler darin, dass sich die Straße Bredengrund baurechtlich in einem reinen Wohngebiet befindet. Daher sei eine Nutzungsänderung des ehemaligen Einfamilienhauses zu einem Heim nicht zulässig. Dem widerspricht die Sprecherin des Harburger Bezirksamts, Beatrice Göhring: "Diese Einrichtung ist geprüft, genehmigt und entsprechend erlaubt."

Kritik übt Mißfeld auch daran, dass die Kinder in einer abgeschiedenen Lage leben sollen: "Die Betreiber möchten, dass diese Kinder am sozialen Leben teilnehmen. Ich frage mich, ob unsere abgelegene Straße da das Richtige ist." Und weiter: "Es ist bislang eine ruhige Wohngegend", betont Mißfeld: "Es geht uns nicht um möglichen Kinderlärm - wir wollen nur nicht, dass hier ein Unruheherd entsteht."

Eine weitere Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, findet deutlichere Worte: "Ich bin entsetzt darüber, dass in einem reinen Wohngebiet so etwas entstehen soll. Ich habe natürlich Mitleid mit den Menschen, die aus solchen Familien stammen. Aber ob die hier bei uns richtig aufgehoben sind?"

Mit zumindest einigen Unklarheiten soll morgen Abend Schluss sein: Denn das Kinderheim Erwin Steffen GmbH lädt die Nachbarn zu einem Informationsabend - Beginn: 17 Uhr - in den Bredengrund 13 ein. Moderiert wird das Gespräch vom Harburger Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg.

Infobox

Erwin Steffen

Die Organisation, die ein Kinderheim in Hausbruch plant, wurde vor 40 Jahren vom Sozial- und Heilpädagogen Erwin Steffen in Schleswig-Holstein ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es acht Häuser im Raum Kiel und in Hamburg. Die Kinder und Jugendlichen werden aus unterschiedlichen Gründen von den zuständigen Jugendämtern aus ihren Familien genommen und in Wohngruppen untergebracht. Der Verein betreibt bereits eine Einrichtung in Kirchdorf: Hier werden acht Mädchen und Jungen von sechs bis 17 Jahren in sieben Zimmern betreut.