Erwin Steffen
Kinder brauchen besseres Umfeld!
"Die Kinder sollen Lebenswege kennenlernen, die nicht nur von Sozialhilfe und Kriminalität geprägt sind." Mit diesen Worten bekräftigte Pierre Steffen, Geschäftsführer der Kinderheime Erwin Steffen, das Konzept, seine Wohngruppen in gutbürgerlichen Vierteln zu eröffnen - wie jetzt im Bredengrund in Hausbruch.
Hausbruch. Bei einem Infoabend in der neuen Wohngruppe - einem ehemaligen Einfamilienhaus - in einer beschaulichen Seitenstraße des waldnahen Hausbruch erklärten die Geschäftsführer den Anwohnern ihr Konzept. Steffen versuchte außerdem deutlich zu machen, dass Kinder aus Problemfamilien nicht zwingend zu Problemkindern werden müssen. Oder anders: Das Konzept der Erwin-Steffen-Heime liegt genau darin, diese Kausalität zu durchbrechen: "Wir wollen mit unseren Einrichtungen nicht in Problembezirke gehen." Die Kinder, die auf Initiative des Jugendamtes aus ihren Familien entfernt werden müssen oder die aus anderen Gründen nicht mehr im häuslichen Umfeld der Familie leben können, müssten Stabilität vermittelt bekommen: "Wir wollen den Kindern die Werte der bürgerlichen Gesellschaft vermitteln", so Steffen. Und dieses erfolge dadurch, dass die Wohngruppen - im Hausbrucher Fall für zehn Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren - in der Nachbarschaft zu Einfamilienhäusern entstehen.
Der Sprecher der Bürgerinitiative Bredengrund, Eckard Mißfeld, kritisiert, dass ohne eben diese Kritik und auch die per Anwalt auf den Weg gebrachten Einsprüche gegen den Umbau ein Informationstermin wie am Donnerstagabend nicht stattgefunden hätte: "Nur aufgrund des Einspruchs ist hier etwas geschehen", so Mißfeld. Er betonte auch: "Wir sind keine kinderfeindliche Gesellschaft!" Die Nachbarn, die als Bürgerinitiative einen Protestbrief verfasst hatten - die HAN berichteten -, hätten nichts gegen die Kinder: "Was ich anzweifle, ist der Standort." Ein jüngerer Anwohner meldete sich zu Wort: "Ab 14 Jahren wird es hier schwierig. Hier gibt es nicht mal einen Kiosk." Diese Aussagen riefen einige Nachbarn auf den Plan, die offenbar zu den jüngeren Bewohnern gehören: "Ich habe mich entschieden, in diese Gegend mit einem offenbar sehr hohen Langeweilepotenzial zu ziehen. Aber ich glaube, dass meine Kinder hier glücklich werden." In ein ähnliches Horn stieß eine weitere Mutter: "Das klingt ja, als hätten ihre Kinder darunter gelitten, dass sie hier großgeworden sind."
Es blieben aber Fragen. Wie würden die Betreuer - rund um die Uhr ist auch ein Mitarbeiter des Trägers in dem Haus vor Ort - mit Drogensucht umgehen? "Bei Drogensucht kommt der Betreute in eine andere Einrichtung. Die nötige Therapie können wir nicht anbieten", so Geschäftsführer Toni Dix. Und was ist mit kriminellen Jugendlichen? "Sie sind nicht kriminell", erklärte Dix, "sie sind es auch in der Regel nie gewesen."
Voraussichtlich im kommenden November soll die Einrichtung eröffnet werden. "Der Bedarf ist da. Wir haben schon einige Kinder auf der Warteliste", so Geschäftsführer Dix. Die neuen Nachbarn von der Erwin Steffen GmbH sicherten den Menschen im Bredengrund zu, dass sie ihnen auf alle Fälle Telefonnummern der zuständigen Leitung geben werden - wenn doch einmal etwas passiert.
