Mittagskinder

Wenn Mittagskinder bis zum Abend bleiben

Drei Mahlzeiten am Tag, regelmäßig in die Schule gehen, und auch mal ein Museum von innen sehen: Für viele Kinder in Deutschland ist das ganz normal. Andere wissen nicht einmal, wie sie sich ein Brot schmieren sollen. Weil sie es nie gelernt haben, weil sich zu Hause niemand kümmert.

Kirchdorf/Neuwiedenthal. Um sozial benachteiligten Kindern das zu ermöglichen, was für die meisten ihrer Altersgenossen selbstverständlich ist, gibt es in Hamburg seit 2004 die Stiftung Mittagskinder. In zwei Kindertreffs wird gemeinsam gekocht, gegessen, gespielt, Sport gemacht und gelesen. Gründerin Susann Grünwald-Aschenbrenner hat für ihr Engagement im Dezember das Bundesverdienstkreuz erhalten.

"Für viele Kinder sind wir nicht das zweite Zuhause, sondern das erste", sagt die ehemalige Journalistin. Mehr als 200 Kinder von fünf bis elf Jahren besuchen die Kindertreffs in Neuwiedenthal und Kirchdorf-Süd. Sie kommen nach der Schule und bleiben oft bis abends. "In den Familien gibt es meist keine Grundstrukturen, keine gemeinsamen Mahlzeiten und kein gesundes Essen. Bei uns decken die Kinder den Tisch und helfen in der Küche mit. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen." Nachmittags gibt es Hilfe bei den Hausaufgaben, danach wird gekickert oder Fußball gespielt. "Das Prinzip heißt Großfamilie. Es gibt Kinder, die leben bei uns."

Ernährungserziehung, Bildung und Wertevermittlung - darum kümmern sich in den Einrichtungen fest angestellte Sozialpädagogen. Es gibt regelmäßig Vorlesewettbewerbe. In Zusammenarbeit mit dem DLRG ermöglicht die Stiftung einigen Kindern Schwimmunterricht. "Wir machen auch viele Ausflüge oder gehen ins Museum. Im Prinzip das, was die normale Bildungsbürgerfamilie am Sonntagnachmittag macht", erklärt Susann Grünwald-Aschenbrenner. Viele Kinder würden ihren Bezirk sonst nie verlassen. Es gehe darum, die Kinder "fit für die Lebenswirklichkeit" vor der eigenen Haustür zu machen, beschreibt die Gründerin das Ziel ihrer Stiftung. Deshalb haben die Kinder zum Beispiel eigene Spardosen. Bei Besuchen bei der Bank wird ihnen erklärt, wo das Geld, das sonst einfach die Behörde überweist, eigentlich herkommt. Etwa 85 Prozent der Kinder kommen aus Zuwandererfamilien, die meisten von ihnen beziehen Transferleistungen. Die Arbeit der Stiftung trägt dazu bei, dass der Nachwuchs einmal bessere Perspektiven hat: Manche Kinder in den Treffs gehen nach der Grundschule auf ein Gymnasium.

Die Stiftung Mittagskinder ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt und finanziert sich seit der Gründung 2004 komplett aus Spenden. Früher hat sie direkt mit den Schulen zusammengearbeitet, heute kennen viele Eltern in Hamburg sie - und kommen von alleine. "Ich wollte denen helfen, die ganz schlechte Karten beim Start ins Leben haben", sagt Grünwald-Aschenbrenner. Dass der Staat für diese Kinder nicht genug Hilfe bereitstelle, sei traurige Wirklichkeit. "Ich persönlich wünsche mir, die Stiftung Mittagskinder würde überflüssig."

Die Stiftung Mittagskinder vermittelt auch Patenkinder.

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Prominente Unterstützter

Zu den prominenten Unterstützern der Stiftung Mittagskinder gehören Handball-Weltmeister Johannes Bitter, Schauspieler Marek Erhardt, Starkoch Steffen Henssler und Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder. Spenden für die Mittagskinder gehen an die Hamburger Sparkasse, Kontonummer 1280 288 653, Bankleitzahl 200 505 50.