Google Maps
Keine Angst vor den Kamera-Autos!
Die Google-Autos rollen wieder. Noch bis Ende Mai fahren die auffälligen Kleinwagen mit Kameraaufsatz durch die Straßen von Harburg Stadt und Land und fotografieren alles, was ihnen vor die elf Linsen kommt. Aber der Konzern versichert: Diese Aufnahmen sind nicht für das umstrittene Programm Google Street View.
Harburg. Die aufgenommenen Bilder sollen der Verbesserung des Kartenprogramms Google Maps - quasi dem großen Bruder von Street View - dienen, so Google-Sprecherin Lena Wagner auf HAN-Nachfrage. Sie sollen helfen, Straßennamen zu aktualisieren, neue Kreisel zu erkennen und Firmen zu verzeichnen, die sich durch Ladenschilder an ihren Standorten kenntlich machen. Die Fotos von den Straßenzügen deutscher Städte würden nicht für den virtuellen Spaziergang ins Internet gestellt.
Genauer, detaillierter, klarer - so scheinen die nächsten Arbeitsschritte für Großkonzern Google und sein Kartenprogramm Google Maps zu sein. Google Street View hingegen wird vorerst nicht erweitert, wie Wagner mitteilte. Dies liegt wohl auch an dem starken Widerstand in der Bevölkerung dagegen, dass komplette Straßenzüge für Jedermann im Internet zu besichtigen sind. Der Bezirk Harburg ist bereits digital begehbar: An der Hamburger Stadtgrenze ist aber derzeit Schluss. Die Frage nach dem Warum bleibt von der Firmenseite unbeantwortet. Google-Sprecherin Lena Wagner betont jedoch: "Die jetzt in Deutschland gemachten Bilder werden definitiv nicht veröffentlicht."
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Projekt, alle Straßenzüge Deutschlands abzulichten, gestorben ist. Der Konzern arbeite weiter an der Aufnahmetechnik und der automatischen Anonymisierung von zufällig aufgenommenen Bürgern: "Die Technologie der Anonymisierung ist noch nicht perfekt, jedoch nahezu", meint Wagner.
Die mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch das Abfotografieren privater Vorgärten und zufällige Aufnahmen von Personen - auch in misslichen Situationen, wie beim Urinieren im Gebüsch oder Sonnenbaden - sind die größten Knackpunkte. Außerdem wurde immer wieder kritisiert, dass Einbrecher per Google Streetn View vom heimischen Computer aus Wohnviertel nach möglichen Zielen auskundschaften können.
Fraglich ist, wie lang die Erweiterungspause des Konzerns anhalten wird. Denn die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Vor einigen Tagen verkündete der Media-Multi Microsoft für seine Version seiner Fotolandkarte - "Bing Streetside" - Kamerafahrten in Deutschland Anfang Mai zu starten. Das Google Street View ähnelnde Projekt wird zunächst nur in den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Augsburg realisiert, soll jedoch auf 50 weitere derzeit noch unbestimmte Regionen und Städte ausgeweitet werden. Damit würde Google seine momentane marktbeherrschende Position in Deutschland verlieren. Wenn Google diese nicht verlassen möchte, dürften die Rundfahrten im Internet wohl nicht mehr an der Hamburger Stadtgrenze aufhören.
