Flut-Rettung
So rettet die TU Harburg Buxtehude vor dem Untergang
Wenn die Este bei Hochwasser die Fassung verliert, droht der Buxtehuder Altstadt die Überschwemmung. Wissenschaftler der TU Harburg zeigen Alternativszenarien auf, wie sich die Estestadt ohne den aktuell geplanten, aber höchst umstrittenen Bau von Deichen und Spundwänden in der Innenstadt schützen lässt.
Harburg/Buxtehude. Der Diplom-Ingenieur Edgar Nehlsen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wasserbau der TU, hat kühne Visionen für die Estestadt. Was der 29-jährige Forscher den Verantwortlichen unterbreitet, ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel im Hochwasserschutz: Weg vom reinen Deichbau hin zu nachhaltigen Lösungen, die langfristig die Auswirkungen des Klimawandels mit bedenken.
Das Fazit seiner bisherigen Untersuchungen: Die vom Deichverband aktuell geplanten, wegen ihrer Auswirkungen auf das Stadtbild aber stark umstrittenen Deichbaumaßnahmen in der Buxtehuder Innenstadt wären komplett verzichtbar, wenn am Oberlauf und am Unterlauf der Este verschiedene Schutzmaßnahmen in Kombination ergriffen würden.
Am Unterlauf sieht das TU-Szenario eine neue Deichlinie vor. Zwei bis drei Meter hohe Deiche oder Stauwehre müssten neu gebaut werden, damit dazwischen ein Retentionspolder - eine Art großes Rückhaltebecken - entsteht. Nehlsens kühne Idee: Dabei könnte der Damm der Moorautobahn 26, mit Klei zusätzlich abgedichtet, als Binnendeich genutzt werden.
Genauso wichtig: Maßnahmen am Oberlauf, das heißt südlich der B73 Richtung Moisburg. Eine Renaturierung der Este allein löst nach Nehlsens Erkenntnissen das Problem dort nicht. Durch drei etwa drei Meter hohe Dämme quer durchs Estetal müsste Stauraum geschaffen werden. Das aber ist schwierig, weil die Este streng geschütztes EU-Naturschutzgebiet ist. Einfacher: ein Sperrwerk an der B73 bei Buxtehude.
Grundsätzlich aber ist der TU-Forscher sicher: Würden beide Maßnahmen konsequent ausgeführt, könnte auf den Deichbau in Buxtehude verzichtet werden. Das größte Problem dieser Lösung: die erheblichen Kosten und die Zeit. Deshalb bleibt es wohl aktuell bei der Eindeichung der Este in der Innenstadt - und die Studie der TU eine Vision für die nächsten 40 Jahre.
