Helgoland

Helgoland: "Wir arbeiten an einem Plan B!"

Als "kleine Retuschen", die "nichts bringen", hat der Harburger Unternehmer Arne Weber die neuen Pläne zur Umgestaltung Helgolands bezeichnet. Denn vier Wochen nach dem gescheiterten Volksentscheid für eine Landaufschüttung zur Vergrößerung der Hochseeinsel Helgoland beginnen die Bewohner mit der Planung von Alternativen.

Helgoland. Zum "Plan B" gehören unter anderem die Schaffung bezahlbaren Wohnraums sowie die Steigerung der Attraktivität Helgolands für junge Familien, sagte Bürgermeister Jörg Singer. Bis zum Jahresende werde es politische Entscheidungen über neue Bebauungspläne und deren Finanzierung geben, kündigte der Bürgermeister der Insel-Gemeinde mit rund 1300 Bewohnern an.

Bei dem Volksentscheid am 26. Juni ging es um eine Landaufschüttung zur Wiedervereinigung der nur einen Quadratkilometer großen Hauptinsel mit der 0,7 Quadratkilometer großen "Badedüne": Die Pläne hierfür hatte der in Heimfeld wohnende Unternehmer Arne Weber entwickelt und diese stets als "großen Wurf" beschrieben: "Allein schon durch die Diskussionen über die neue Verbindung ist die Zahl der Übernachtungsgäste sprunghaft gestiegen." Inzwischen hat sich Weber nach eigenen Angaben von entsprechenden Plänen verabschiedet. Nach dem Konflikt ist auf dem Roten Sandsteinfelsen scheinbar wieder der Alltag eingekehrt. "Jetzt ist gerade Hochsaison", macht Bürgermeister Singer (parteilos) klar. Doch gleichzeitig diskutieren die Insulaner über die Zukunft ihrer Heimat: "Wir arbeiten intensiv an einem Plan B."

Und das geht nicht von heute auf morgen: Die Befürworter der "Insel-Hochzeit" habe eine gemeinsame Vision geeint, erklärt Singer. Im Gegensatz zu den Gegnern der 100 Millionen Euro teuren Sandaufspülung. Bei ihnen herrschen über das "Helgoland der Zukunft" große Differenzen. Doch Singer ist Pragmatiker. Er lud die Insulaner am 6. Juli zu einer Bürgerversammlung ein, um die Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Denn Deutschlands einzige Hochseeinsel hat trotz ihrer einmaligen Lage große Probleme: Unter anderem sank die Zahl der Tagesgäste von mehr als 800 000 in den 1970er-Jahren auf gerade noch 300 000 pro Jahr, und mangels Perspektive kehren immer mehr Insulaner Helgoland dauerhaft den Rücken. Mindestens 2000 Menschen müssten auf Helgoland dauerhaft leben, damit die Insel als Gemeinde funktionieren kann. Doch die Zahl der Helgoländer ist mittlerweile auf unter 1300 gesunken.

Die "Landgewinnung" ist daher mit dem Bürgerentscheid noch lange nicht vom Tisch. Die Machbarkeit und Möglichkeiten der Finanzierung würden weiter diskutiert und geprüft, sagt Singer. Ebenso wie andere der zahlreichen und letztendlich gemeinsamen Ziele der Helgoländer. Dazu gehören die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Insulaner ebenso wie bessere Unterkünfte für die Saison-Kräfte, die Steigerung der Attraktivität Helgolands für junge Familien, aber auch ein altersgerechtes Wohnen.

Eine bessere Verkehrsanbindung - zum Beispiel mit einem gemeindeeigenen Schiff - ist auch Teil der Pläne. Mit mehr Hotelkapazitäten könnten mehr Urlauber auf Helgoland ein Bett finden. "Es wird in den nächsten Wochen und Monaten politische Entscheidungen geben: wie die Bebauungspläne aussehen und wie die Finanzierung, welche Rolle das Land hat, oder wie wir mit Investoren vom Festland umgehen wollen", sagt der Bürgermeister. "Wir müssen die Frage klären, was kriegen wir aus eigener Kraft ge-stemmt." Es seien wichtige Grundpfeiler, die jetzt gebündelt werden. "Die Diskussionen werden wohl noch bis Oktober dauern - vielleicht mit dem einen oder anderen kleinen Gutachten dazu", so Singer. "Dann werden wir wissen: So soll Helgoland aussehen.

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Verbindungen

Fährverbindungen nach Helgoland gibt es in Hamburg, Wedel, Cuxhaven, Emden und Wilhelmshaven. Die Überfahrt beträgt zwei bis drei Stunden. Rund 3,5 Stunden braucht der Katamaran ab Landungsbrücken in St. Pauli. Einen Flug gibt’s ab Heide/Büsum, Bremerhaven und Hamburg.