Kraftwerk Moorburg
Neuer Streit um die Wirtschaftlichkeit
Entsteht in Moorburg eine Milliarden Euro teure Kraftwerksruine? Umweltschützer halten das für möglich: "Steigende Steinkohle-Preise, teure CO2-Zertifikate und jetzt noch das Aus für die Fernwärmetrasse stellen die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks akut in Frage", heißt es.
Moorburg. Die Umweltschützer beziehen sich auf die Verhandlungsergebnisse des Senats mit dem Energiekonzern Vattenfall für eine Energiewende. Der Verzicht auf die höchst umstrittene Moorburg-Fernwärmetrasse, die vom Steinkohlekraftwerk unter der Elbe hindurch nach Altona führen sollte, hat nach ihrer Einschätzung eine wichtige Einnahmequelle für das Kraftwerk wegbrechen lassen. Ursprünglichen Planungen zufolge sollte die vom Kraftwerk abfallende Wärme 180 000 Hamburger Haushalte nördlich der Elbe mit Heizenergie versorgen. Vattenfall hatte bislang stets betont, dass sich das Kraftwerk Moorburg nur mit dem Verkauf des Nebenproduktes "Fernwärme" wirtschaftlich betreiben lasse.
Der Senats-Pakt für eine Energiewende sieht nun als Ersatz für die Moorburg-Trasse den Bau eines neuen Gas-Dampfkraftwerkes in Tief-stack vor. Hintergrund der Vereinbarungen ist, dass 2014 die Konzessionsverträge für die Strom-, Gas- und Fernwärmenetze auslaufen, die zurzeit noch den Konzernen gehören.
Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Manfred Braasch, einer der schärfsten Kritiker des Steinkohlekraftwerks und der Moorburg-Trasse, sagt: "So richtig der Verzicht auf die Moorburg-Trasse ist, so sehr verstärkt er aber auch die wirtschaftlichen Probleme des Kraftwerkes. Ohne Fernwärmeauskopplung ist das Kraftwerk weniger rentabel. Das hat ein Vattenfall-Gutachten eindeutig festgestellt. Dieses, verbunden mit ausufernden Baukosten, steigenden Brennstoffkosten für Kohle und dem Zertifikathandel für die immensen CO2-Emissionen stellt die Wirtschaftlichkeit von Moorburg deutlich in Frage. Vattenfall würde dieses Projekt mit Sicherheit nicht noch einmal bauen."
Das sieht der Konzern anders. Der wirtschaftliche Betrieb des Steinkohlekraftwerks Moorburg sei unter den derzeitigen Bedingungen der Kohlepreise und der aktuellen CO2-Zertifikationspreise gegeben - auch dann, wenn ein neues Gas- und Dampfturbinenkraftwerk gebaut werde, sagt Vattenfall-Sprecher Stefan Kleimeier. Die Wirtschaftlichkeit hänge von vielen Faktoren ab. Etwas kritischer hatte sich kürzlich der Leiter des Moorburger Kraftwerks, Burkhard Römhild, im Harburger Wirtschaftsausschuss zu dem Thema geäußert (die HAN berichteten): Das Kohlekraftwerk Moorburg stehe aufgrund verschärfter Umweltauflagen, sinkender Erträge, einer Verzögerung der Fertigstellung um voraussichtlich ein Jahr und der Probleme mit dem Spezial-Stahl auf immer wackligeren Beinen. Römhild: "Das Kraftwerk wird nicht die wirtschaftlichen Erfolge erzielen, die wir uns einmal vorgenommen haben."
Für Kompensation durch den Wegfall der Moorburg-Trasse soll jetzt ein neues Vorhaben sorgen. Vattenfall wird im Bereich Süderelbe die Nutzung der Abwärme aus dem Kraftwerk und damit den Aufbau eines Niedrig-Temperatur-Wärmenetzes prüfen. Eine Energiekonzeption für die Süderelbe-Region soll entwickelt werden.
