Handwerk
Kammer Schuld an Schults Pleite?
Die Insolvenz hat ihn schwer getroffen, doch der Harburger Karl Schult, Inhaber des gleichnamigen Sanitärbetriebs, hat seinen Kampfgeist nicht verloren: Jetzt holt er zum Rundumschlag gegen die Handwerkskammer Hamburg aus. Schult fordert den Rücktritt des gesamten Präsidiums, einen Verkauf der Kammerimmobilie am Holstenwall in Hamburg und einen Umzug der gesamten Verwaltung in den Elbcampus.
Harburg. Auslöser der Attacke war eine Pressekonferenz, zu der gestern der Bundesverband für freie Kammern (bffk) e.V. Berlin in Hamburg eingeladen hatte. Einen Tag vor der heutigen Vollversammlung präsentierte der kammerkritische Verband (Hauptforderung: Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft) seine Deutung der Bilanz und nannte einen Schuldenberg in Höhe von24 Millionen Euro. Wasser auf die Mühlen von Karl Schult, der am 15. Dezember 2009 Insolvenz anmelden musste, nachdem sich die Handwerkskammer geweigert hatte, die Rechnung seiner Handwerksleistung im Elbcampus Harburg zu bezahlen - immerhin ein stolzer Betrag in Höhe von 336 000 Euro.
Schult erhebt jetzt kurz vor dem zweiten Jahrestag seiner Insolvenz in Harburg schwere Vorwürfe: "Die Kammer war damals praktisch pleite. Man hatte sich mit dem Neubau völlig übernommen. Die hatten kein Geld, so wurde ich in die Insolvenz getrieben."
Für Schult hatte das persönlich extreme Folgen. Er musste nicht nur 36 seiner 44 Mitarbeiter entlassen, sondern auch mit seinem Privatvermögen einstehen. Den HAN sagte er gestern: "Wenn die Führungsmannschaft nicht komplett ausgetauscht wird, werden verstärkt Betriebe ins Umland abwandern." Hamburg habe die teuerste Kammer bundesweit. Er sei mit seinem zweiten Betrieb in Bützow Mitglied der Kammer in Schwerin. Schult: "Da zahle ich die Hälfte."
Bis heute hat er keinen einzigen Euro von der Handwerkskammer gesehen. Schult: "Greif mal einem nackten Mann in die Tasche . . ." Hauptgeschäftsführer Frank Glücklich bestätigt, das nichts gezahlt wurde. Das sei auch nicht mehr zu erwarten. Er verweist auf die Bauschäden, die im Zuge der Sanitär- und Klempnerarbeiten im Elbcampus entstanden seien.
Unter dem Strich müsste die Kammer noch Geld von Schult bekommen. Glücklich: "Der Insolvenzverwalter hatte damals angekündigt, man werde vor Gericht ziehen. Das ist bis heute nicht geschehen. Er wird wissen, warum nicht."
Die Kritik des bffk weist er im Übrigen harsch zurück: "Das ist reine Taktik. Die stänkern ständig gegen alle Kammern. Diesmal waren wir mal wieder dran." Es gebe keinen Grund, warum das Präsidium zurücktreten müsste. Glücklich: "Wir sind auf einem strikten Konsolidierungskurs."
Über den Schuldenberg, der laut Kammer im Wesentlichen auf drohende Pensionsansprüche und Baumängel im Elbcampus zurückzuführen ist, hatten die HAN bereits vor Wochen exklusiv berichtet.
Glücklich: "Von den durch den bffk genannten 24 Millionen Euro Schulden sind 21 Millionen langfristige Hypothekendarlehen, denen ein Vielfaches an Investitionen und Werten gegenübersteht. Der bffk ist tendenziös - er nennt korrekte Zahlen, stellt sie aber bewusst in falsche Zusammenhänge."
