Krummholzberg

Muslimisches Kaufhaus für Harburg?

Nabelfrei und mit einem durchsichtigen Schleier vor den Augen waren die Bauchtänzerinnen einst die Attraktion am Wochenende im "Schamata". Möglicherweise werden Schleier in dem Laden am Krummholzberg in Harburg wieder eine wichtige Rolle spielen. Allerdings anders als in der Vergangenheit. Künftig könnten Niqabs - das sind blickdichte Gesichtsschleier, bei denen nur die Augen durch kleine Schlitze zu sehen sind - hier zum Verkaufsschlager für strenggläubige Musliminnen werden.
Burka-Boutique

In der ehemaligen Gaststätte Schamata tut sich etwas.

Harburg. Glaubt man den Aussagen des Vermieters, wird in der einstigen Cocktail-Bar ein muslimisches Kaufhaus entstehen. Noch ist nicht viel davon zu sehen. Im Schaufenster ist nur eine Fahne mit der arabischen Aufschrift "Allah ist der einzige Gott und Mohammed ist sein Prophet" zu sehen. Diese wurde von den neuen Mietern aufgehängt.

Im Laden selbst sind die Abbrucharbeiten des einstigen Kneipeninventars in vollem Gange. Auf einem Haufen türmen sich kaputte Holzstühle und ausrangierte Lampen. Die Theke im oberen Bereich ist noch vorhanden, aber sie soll in den nächsten Tagen verschwinden. Eine mit einer Niqab verhüllte Frau in dem Laden sagt zu den Absichten: "Das genaue Konzept für die weitere Nutzung steht noch nicht fest." Vieles sei denkbar: "Wir wollen erst einmal das ganze alte Inventar entsorgen." Pläne, dass hier künftig ein Kaufhaus mit muslimischem Religionsbedarf (siehe Kasten) entsteht, wollte sie nicht bestätigen.

Konkreter äußert sich der Vermieter des Ladens. Der 90-jährige Harburger Immobilien-Unternehmer Gerhard Adamofski sagte gegenüber den HAN: "Der von mir beauftragte Makler sagte mir, die neue Mieterin sei eine Frau, die dort ein muslimisches Kaufhaus eröffnen will." Unter anderem religiöse Bekleidung solle hier demnächst verkauft werden.

Fast drei Jahre lang stand das ehemalige Restaurant leer. Interessenten, die in den Räumen ein türkisches Dampfbad eröffnen wollten, wurde eine Absage erteilt. Bedenken gegen ein muslimisches Kaufhaus gibt es offenbar nicht.

Dabei bergen die Pläne durchaus Konfliktpotenzial in sich. Denn in dem Gebäude gegenüber dem Parkhaus ergäbe sich dann eine ungewöhnliche Mischung an Mietern: im Erdgeschoss die vor allem von Tunesiern frequentierte El-Imam-Moschee, daneben der Frisiersalon "Schicki-Micki", im Obergeschoss unter anderem ein Thaimassagestudio, das im Internet mit Erotik- und Body-to-Body-Massagen wirbt.

Bis 1980 waren in dem Gebäude mit den Hausnummern Krummholzberg 9 bis 13 noch Lagerhallen. Dann wurde das Haus verkauft, und der neue Eigentümer veranlasste den großen Umbau zu dem heutigen Gewerbekomplex. In der Gastronomie-Einheit Nummer 9 eröffnete zunächst das "Beer-Town" und Anfang der 1990er-Jahre das Restaurant "Don Quichotte" mit Pizza aus dem Steinbackofen. In den 2000ern folgte das "Schamata" mit einem anderen Konzept: einer Kombination aus Restaurant, Cocktail-Bar, Live-Musik und Bauchtanzdarbietungen am Wochenende. Das Konzept ging nicht auf, und der Laden floppte.

Infobox

Verschiedene Schleier

Kalender mit den Gebetszeiten, Kompasse, die die Richtung gen Mekka weisen und Gebetsteppiche gehören in der Regel zum Angebot islamischer Geschäfte. Außerdem wird muslimische Kleidung verkauft. Die Hidschab ist dabei die Form, die im deutschen Volksmund als Kopftuch bezeichnet wird: Haare und gelegentlich auch die Ohren sind verhüllt, das Gesicht bleibt frei. Bei der Niqab ist das Gesicht bis auf einen Sehschlitz komplett verhüllt. Diese Form ist vor allem in Saudi-Arabien und im Jemen verbreitet. Die strengste Form der Verschleierung ist das sackartige Gewand der afghanischen Frauen: Bei der Burka sind sogar die Augen hinter einem netzartigen Sichtschutz verborgen.