Latex-Brühe
Wird unser Hafen jetzt leer gepumpt?
Die milchig-trübe Latex-Brühe verteilt sich zurzeit im gesamten Binnenhafen. Folge: Die Schleuse bleibt bis auf Weiteres dicht, damit die Suppe nicht in die Elbe geschwemmt wird. Ob das Gemisch umweltschädlich ist, weiß niemand. Wie man es aus dem Binnenhafen herausbekommt, konnte gestern ebenfalls nicht beantwortet werden. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch schließt nicht einmal aus, dass der Binnenhafen leer gepumpt werden muss.
Harburg. In einem Pressegespräch informierte der neue Bezirksamtsleiter gestern über den Stand nach dem Großfeuer. Zu seinem eigenen Leidwesen hatte er selbst mehr offene Fragen als Antworten parat, denn noch immer sind Fachleute dabei, das Ausmaß des entstandenen Schadens zu analysieren. Völsch: "Wir sind als Bezirk für den Binnenhafen zuständig. Aber wir haben ein Amtshilfeersuchen bei der Umweltbehörde gestellt. Wir haben weder die Leute noch die Kompetenz, diesen Fall zu bearbeiten."
Laut Völsch haben die Umweltexperten Wasserproben entnommen. Die Ergebnisse stehen noch aus. Völsch: "Das Gute: Das Wasser kann aus dem Binnenhafen nicht raus. Wir lassen die Schleuse zu. Nun muss geprüft werden, wie man die Verunreinigung wieder aus dem Wasser herausbekommt - mechanisch dürfte das kaum gehen, denn es hat sich eine Emulsion gebildet, die sich im gesamten Hafen ausbreitet. Vielleicht kann man chemisch etwas machen und den Latexanteil binden. Im schlimmsten Fall muss der Hafen leer gepumpt werden."
Nach HAN-Informationen würde dies vermutlich an technischen Problemen scheitern - von den Kosten mal ganz abgesehen. Nach Auskunft von Baudezernent Jörg Heinrich Penner beträgt die Wasserfläche des Binnenhafens rund 15 Hektar. Bei einer durchschnittlichen Tiefe von fünf Metern ergeben sich rund 750 000 Kubikmeter Wasser. Das entspräche 25 000 Tankwagenladungen, die aneinandergereiht etwa von Harburg bis Frankfurt reichen würden.
Direkt von dem Feuer betroffen sind 14 Unternehmen im Umfeld der Nartenstraße. Doch durch die geschlossene Schleuse sind auch weitere Firmen und Hafenanlieger von der Elbe abgeschnitten. Völsch: "Einige Schiffe wollen rein, aber wir machen nicht auf." Die Schleuse soll nach Auskunft der Wasserschutzpolizei nur im Notfall geöffnet werden. Grund: Ein Feuerwehrlöschboot und ein Polizeiboot liegen zurzeit im Binnenhafen fest. Werden sie anderweitig im Hafenbereich gebraucht, öffnen sich die Schleusentore.
