Kommentar
Verkehrsinfarkt ist wieder eine reale Bedrohung
Die Ansage ist hart und wird zumindest bei den Anliegern der Bundesstraße 75 ein Déjà-vu auslösen: Die prognostizierte Verdoppelung der Lkw-Transporte auf der Bremer Straße bis 2025 trifft ins Mark, denn sie zementiert die vorherrschende Meinung, dass der Süden Hamburgs die Hauptlast der Hafenentwicklung trägt.
2008 waren wir schon einmal an diesem Punkt, und es war der damalige Präses der Handelskammer Hamburg, Frank Horch, der nach Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise die Devise herausgab, die Zeit der Rezession zu nutzen, um sich für die Phase der Konjunktur zu wappnen. Heute ist es an ihm, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und die Infrastruktur nachzurüsten, denn die planerische Erholungsphase wurde kaum genutzt. Besser gesagt: Wer Straße und Gleise bauen will, braucht Geduld, Geld und ein dickes Feld, denn Deutschland ist nicht China - hier dauert alles länger.
Gleichwohl war Horchs Ansatz weitsichtig und genau richtig. Doch jetzt, wo die Umschlagsprognosen für den Hafen und die Vorhersagen für den Lkw-Verkehr empor schnellen, müssen die Weichen unter Druck gestellt werden.
Manches wie der Ausbau der A7 ist bereits auf dem Weg, aber die großen Entlastungsprojekte wie Hafenquerspange und Y-Trasse sind nicht in Sicht. Der Verkehrsinfarkt ist wieder eine reale Bedrohung in Griffweite.
