Verkehrschaos

Harburger Problemzonen

Eine Verdoppelung des Lkw-Verkehrs auf der Bremer Straße. Noch mehr Unfälle an der Winsener Straße. Und eine Blechlawine, die ab der Ausfahrt Heimfeld über die B73 rollt. Die Verkehrs-Aussichten für Harburg sind düster. Aber nicht hoffnungslos. Denn im aktuellen Gutachten zur Verkehrssituation werden nicht nur die "Problemzonen" benannt, sondern auch Lösungswege aufgezeigt. Hier fünf Beispiele.
B73

Die B73 im vergangenen Winter: Sobald es auf der Autobahn Probleme gibt, staut sich der Verkehr auf der "Cuxe"

Harburg. Die größten Probleme: Nur auf den Autobahnen A1, A7 und der Stadtautobahn sind im Hamburger Süden mehr Autos unterwegs: Durchschnittlich mehr als 40 000 Fahrzeuge, 3200 davon Lastwagen; Schnelle Lösungen: Schwierig, weil die B73 derzeit die einzige großräumige Verbindung zwischen dem Raum Cuxhaven-Stade und Hamburg ist. Eine Lkw-Beschränkung würde laut Gutachten "unerwünschte Verlagerungen" auf kleine Straße bewirken. Um die Zahl der Pkw zu reduzieren wird empfohlen, mehr Busse und S-Bahnen einzusetzen; Langfristige Planung: Wenn die A26 fertiggestellt ist, werden laut Prognose östlich der A7 rund 25 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs sein. Solange die neue Autobahn an der A7 endet, wird sich der Verkehr aber westlich der Abfahrt Heimfeld um ein Viertel erhöhen. Das könne nur durch die Fortsetzung der Autobahn bis zur A1 (Hafenquerspange) entschärft werden.

Die größten Probleme: Die Winsener Straße ist mit 19 600 Fahrzeugen pro Tag zwar geringer belastet als die B73. Aber sie ist gefährlicher. 211 Mal krachte es im Untersuchungsjahr, 39 Mal mit Lkw-Beteiligung. Zum Vergleich: Die B75 hat ähnlich viel Verkehr und "nur" 77 Unfälle; Schnelle Lösungen: Da die Unfälle vor allem an den Kreuzungen geschehen, sollten die Ampelschaltungen überprüft werden; Langfristige Planung: Die Gutachter rechnen mit 20 Prozent mehr Verkehr bis 2025. 40 Prozent der Autofahrer nutzen die "Winsener" als Durchgangsstraße. Dieser Verkehr sollte teilweise umgeleitet werden. Außerdem: mehr Busse und Busspuren.

Die größten Probleme: Viele Schlaglöcher und viele Lkw sorgen für besonders hohe Lärmbelästigung bei den Anwohnern. 900 von 4100 Fahrzeugen sind Lkw (21 Prozent). Zum Vergleich: Die B73 kommt auf drei Prozent, die B75 auf etwa zehn; Schnelle Lösungen: Den Straßenbelag erneuern und den Lkw-Duchgangsverkehr über den Reiherstieg Hauptdeich umleiten; Langfristige Planung: Bis zum Jahr 2025 wird sich der Verkehr laut Gutachten kaum verändern. Die Lastwagen könnten nur durch die Hafenquerspange von der Neuhöfer Straße geholt werden.

Die größten Probleme: Wie berichtet, rechnen die Gutachter bis 2025 mit einer Verdoppelung des Lkw-Verkehrs: von 1600 Brummis am Tag auf 3500; Schnelle Lösungen: Um Staus zu vermeiden wird der Ausbau der Kreuzung Friedhofstraße empfohlen (zusätzliche Abbiegespuren). Außerdem: ein nächtliches Durchfahrverbot für Lkw, konsequentere Kontrolle der auch an der B75 geltenden Maut-Pflicht; Langfristige Planung: Laut Prognose werden 2025 täglich 2200 Lkw die Bremer Straße nur als Abkürzung zwischen dem Hafen und den Autobahnen A1 und A7 nutzen. Lösung auch hier: die Hafenquerspange.

Die größten Probleme: 200 Lkw pro 24 Stunden fahren durch eine enge Wohnstraße mit schmalem Bürgersteig. Außerdem sind es häufig überbreite Schwertransporter mit Flugzeugteilen für Airbus; Schnelle Lösungen: Sobald die Ortsumgehung fertiggestellt ist, wird ein striktes Durchfahrtsverbot für Lkw empfohlen; Langfristige Planung: Es bleibt beim Durchfahrtsverbot. Sonst würden die aus Westen kommenden Lkw den Umweg über A26, A7 und die Ortsumgehung Finkenwerder nicht in Kauf nehmen und durch Neuenfelde fahren.

Infobox

Das Gutachten

Auftraggeber ist die Hamburger Verkehrsbehörde. Die verwendeten Verkehrsstatistiken stammen aus 2009. Die Prognose bezieht sich auf 2025. Hierfür wird angenommen, dass folgende Verkehrsprojekt fertig sind: 1. Die Ortsumgehung Finkenwerder, 2. die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße, 3. ein neues Verkehrsleitsystem im Hafen, 4. der Neubau der A26 bis zur A7, 5. Die Kattwykbrücke steht komplett dem Autoverkehr zur Verfügung, eine neue Eisenbahnbrücke ist gebaut, 6. Vierstreifiger Ausbau der Neuländer Straße.