Chance für Sietas
Sietas: Der Tag der Entscheidung
Heute Nachmittag will Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch offiziell verkünden, ob die Sietas-Werft in Neuenfelde eine Zukunft hat. Alle Hoffnungen ruhen dabei auf dem niederländischen Offshore-Unternehmen Van Oord. Kommt der Auftrag für den Bau eines Windpark-Installationsschiffs zustande, kann die insolvente Werft vorerst weitermachen. Bleibt die Unterschrift aus, wäre das vermutlich das Ende von Hamburgs ältester Werft. Insider gehen davon aus, dass Sietas noch eine Chance bekommt.
Neuenfelde. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass mit dem Auftrag auch die Option für ein zweites Schiff dieser Bauart verbunden sein soll.
Der Van-Oord-Auftrag über den Bau des Spezialschiffes war - wie berichtet - bereits vor zwei Jahren erteilt worden. Volumen: gut 100 Millionen Euro. Ob es dabei bleibt, erscheint fraglich. Mit dem Insolvenzvertrag von Sietas war der ursprüngliche Auftrag hinfällig geworden. Der neue Auftrag ist speziell auf diese Situation zugeschnitten: Van Oord übernimmt die Vorfinanzierung selbst. Damit könnte Sietas den Bau beginnen - die Beschäftigung für 400 Mitarbeiter wäre bis Anfang 2013 gesichert.
Für die Konstruktionsabteilung ginge die Zitterpartie allerdings weiter, denn dort ist die Arbeit im Wesentlichen getan. Die beiden Van-Oord-Schiffe sind dem Vernehmen nach baugleich. Eine Fähre und ein Baggerschiff sind bereits im Bau, sollen in wenigen Wochen ausgeliefert werden. Das heißt: Ein neuer Auftrag muss her, damit auch die Konstrukteure wieder Arbeit haben. Die Option auf ein zweites Van-Oord-Schiff ist inhaltlich noch unklar: Sollte auch in diesem Fall eine Finanzierung des Auftraggebers erfolgen, könnte das endlich die erhoffte Entlastung für die Schiffbauer bringen. Wenn Sietas die Vorfinanzierung selbst stemmen soll, muss jedoch ein Investor oder ein Käufer gefunden werden. Das wäre mit dem neuen Auftrag und einer Option wesentlich aussichtsreicher als bisher.
Von den Banken kann Sietas bislang keine neuen Kredite erhoffen. Mit dem Auftrag von Van Oord wird eine Landesbürgschaft über 30 Millionen Euro fällig. Das hat Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann vor knapp zwei Wochen gegenüber den HAN bestätigt. Eine weitere Bürgschaft ist laut Wirtschaftsbehörde nicht beantragt. Begründete Hoffnung auf eine Perspektive für Sietas hat der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, mit Blick auf den Offshore-Markt: "Es ist uns sehr wichtig, dass Deutschland in diesen Zukunftsmarkt hineinkommt." Der Bund werde Sietas unterstützen. Zurzeit werde über Bürgschaften verhandelt.
